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Von ungehört zu unüberhörbar – Wie ich mit meiner Stimme mein Leben und Business fand

Von ungehört zu unüberhörbar – Wie ich mit meiner Stimme mein Leben und Business fand

Jenny Ulbricht
Stimme - The Bold Woman

Alles begann, als ich 17 war. „Mit siebzehn hat man noch Träume.“Ich bin in der 11. Klasse, bin ein schüchterner, introvertierter und verschlossener Teenager, mein Selbstbewusstsein ist gleich Null. Aber ich habe einen großen Traum: Ich will Schauspielerin werden!

Es ist das Jahr 1985. Ich bin in Berlin (DDR) auf dem Weg zur Aufnahmeprüfung in der Schauspielschule „Ernst Busch“. Es ist ein warmer Frühlingstag, ich trage einen weißen Stufenrock und ein Hemd von meinem Vater, das ich selber rosa eingefärbt habe. Ich habe meine Gitarre mit dabei, denn neben zwei Rollentexten sollen wir auch einen Song vorbereiten und ich will mich bei meinem Lied selbst begleiten.
Etwas später – die erste Runde der Aufnahmeprüfung ist vorbei – sitzen alle, die denselben Traum wie ich haben, erwartungsvoll in einem Flur, um von der Prüfungskommission aufgerufen zu werden. Ich bin dran und gehe rein. Sie sagen ein paar nette Worte und dann höre ich den Satz: „Frau Ulbricht, wir halten Sie nicht für geeignet. Man kann auf Ihrem Gesicht keine Emotionen ablesen.“ – Bäm! Da hatte ich einen Stempel auf der Stirn und jeder konnte es lesen: Untalentiert!
Von einem Moment auf den anderen war mein größter Lebenstraum zerplatzt.

Wie ich verstummte

Wie konnte das sein?

Schon im Kindergarten hatte ich als Rotkäppchen meine erste Hauptrolle gespielt. Theateraufführungen, singen, im Film mitspielen, all das hatte meine Jugendzeit begleitet. Ich liebte Sprache und das Spielen mit Worten. Es war doch das, was ich unbedingt machen wollte. Und in mir lebte doch so viel! In mir fühlte ich doch so viel!

Spulen wir meinen Lebensfilm nochmals weitere Jahre zurück: 1969, DDR, Berlin, ich bin zwei Jahre alt. Ich bin ein sensibles Kind – hochsensibel, wie ich heute weiß – ein Kind, das dadurch unbequem ist. Ich bin immer wieder kränklich und deswegen nicht geeignet für die Kinderkrippe. Für meine Mutter, die gern die Gleichberechtigung in der DDR nutzte und in ihrem Beruf arbeiten möchte, ist das schwierig. Für die Gesellschaft auch. Alle sollten möglichst in Gruppen passen. Aus der Reihe tanzen und Extrawürste zu bekommen, war nicht gern gesehen.
Zum Beispiel hasste ich schon als Kind Milch – und bekam im Kindergarten doch immer wieder Cornflakes mit Milch zum Frühstück hingestellt und sollte sie essen.

Man gab mir zu verstehen, was richtig ist und dass ich so, wie ich bin, nicht erwünscht bin. Sie haben mir Stück für Stück meine Individualität aberzogen. Stück für Stück verschloss sich die kleine Jenny, nahm sich zurück, behielt für sich, was sie alles fühlte, wurde immer leiser – bis sie eine dicke Schicht um ihren inneren Kern gebaut hatte.

Ich hatte die Lektion gründlich gelernt: Mein wahres, lebendiges Ich war irgendwo in meinem Inneren weggeschlossen. Und ich versuchte, mich anzupassen, zu tun, was von mir erwartet wurde und es richtig zu machen. Mich bloß nicht mehr zu zeigen, wie ich bin! Nichts von meiner Gefühlswelt drang mehr nach außen. Mein Innenleben und mein Außenleben waren getrennt. Meine ureigene Stimme war verstummt.

Ich machte mich auf den Weg meiner Stimme

Spulen wir wieder zum Moment der Absage für das Schauspielstudium vor.

Wie konnte es sein, dass sie mich ablehnten? In mir lebte doch so viel! In mir fühlte ich doch so viel! Und ich spürte doch auch ganz intensiv, dass ich auf der Bühne und mit meiner Stimme den Menschen so viel geben wollte. Ich wollte doch so viel von meinen Emotionen rüberbringen, ich wünschte mir so sehr einen Ort, wo ich damit gemocht und gewollt war, also genau richtig war. Warum konnten die Prüfer davon nichts sehen und spüren?

Mein Selbstbewusstsein war noch mehr am Boden als sowieso schon.

Meine Talente und meine große Sehnsucht, mit meiner Stimme die Menschen zu bewegen und zu berühren, Figuren und Emotionen zu verkörpern, blieben erst einmal ungehört.

So schmerzlich diese Absage war – es war der Moment, in dem ich beschloss, herauszufinden, warum das so ist. Es war der Moment, in dem ich mich auf den Weg zu mir machte. Es war der Moment, in dem ich mich aufmachte, meine Emotionen zurückzuholen und meine Stimme und mein Leben zurückgewinnen.

Heute weiß ich: Es war der Tag, der mein Leben veränderte und mich zu meiner Berufung und Bestimmung führte. Zu dem, was ich der Welt zu geben habe und was ich mit meiner Wahrheit und Stimme für die Welt bewirken kann.

Der Umweg war die bessere Alternative

Ich wollte immer noch ans Theater und fand einen Job auf der anderen Seite des Vorhangs als Ankleiderin. Tag für Tag sah ich den Schauspieler*innen und Sänger*innen zu, wie sie auf der Bühne das taten, was auch ich wollte.

Ich beschloss, Gesangsunterricht zu nehmen. Es musste doch einen Weg geben, wie ich aus mir herausbringen konnte, was alles in mir steckte und zeigen konnte, was ich alles kann.
Bei meiner zweiten Gesangslehrerin passierte es dann: Plötzlich öffnete sich meine Stimme und ich klang ganz anders. Bisher hatte ich immer noch mit einer Mädchenstimme gesungen. Aber das, was jetzt geschah, war fantastisch: Endlich war meine volle, meine ganze Stimme da, mit all ihren tiefen Tönen!

Aber nicht nur meine Stimme ging auf. Auch ich erblühte. Diese tiefen Töne brachten Teile meiner Persönlichkeit an die Oberfläche und ich fühlte mich viel mehr als ich selbst. Ich war wie ein anderer Mensch. Und das zeigte sich dann auch Stück für Stück in einer anderen Wirkung nach Außen: Ich zeigte mich mehr und bekam daraufhin mehr Resonanz und das wiederum ließ mich meine Stimme kraftvoller einsetzen. Wow, dachte ich, das ist genial! Wenn ich das anderen Menschen auch zeigen könnte, wie sie durch ihre Stimme ihre Persönlichkeit entwickeln und mehr Menschen erreichen können! Das wäre doch ein alternativer Beruf für mich!

Ich machte mich auf die Suche und fand das Studium, das mir genau das versprach. Wieder musste ich zu einer Aufnahmeprüfung, wieder musste ich etwas vorsprechen – und dieses Mal klappte es! So führte mich mein Weg 1995 nach Stuttgart an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zum Studium “Sprechen und Sprecherziehung”. Das Tolle war, dass ich hier nicht nur lernte, mit anderen Menschen an ihrer Stimme zu arbeiten, sondern auch wie ich mit meiner Stimme ganz verschiedene Texte gestalte und rüberbringe: Gedichte, Romane, Nachrichten, Vorträge und Reden.

Nach vier Jahren hatte ich mein Studium beendet und machte mich in meine Selbstständigkeit mit Seminaren und als Künstlerin und Sprecherin auf. Das lief auch gut an, ich gab Seminare und Coachings und arbeitete als Sprecherin und Sprechkünstlerin.

Aber da gab es noch immer diesen Traum, der mir keine Ruhe ließ. Schauspielerin sein. Auf der Bühne stehen.

Da kam meine wichtige Mentorin Kristin Linklater in mein Leben. Ich besuchte das erste Seminar „Freeing the natural voice“ bei ihr und bäm, hier war es! Ich wusste sofort, das ist es, was ich machen und an andere Menschen weitergeben will. Mit jedem weiteren Seminar bei Kristin wurde meine Stimme freier und ich als Mensch auch. Aber nicht nur das. Wir haben in den Workshops mit Schauspielmonologen gearbeitet und ich liiiebte das! Und in mir wuchs ein Gedanke: „Vielleicht eines Tages.”

Eines Tages fragte ich mich also: “Willst du irgendwann in die Kiste steigen und wissen, dass du aufgegeben und es nicht wenigsten noch einmal versucht hast?
Ich antwortete mir selber mit “Nein!”.

Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging zu einem Theater in Stuttgart, um mich dort vorzustellen. Sie fanden mich interessant, hatten aber gerade keine Rolle. Ich wartete und wartete. Nach eineinhalb Jahren dachte ich mir: “Okay, es wird wohl nichts mehr. Aber ich habe es nochmal versucht.” Und ich ließ meinen Traum los.

Und da geschah das Wunder. Ich bekam einen Anruf und wurde für ein Stück angefragt. 2006 hatte ich meine erste Premiere und spielte meine erste Rolle! In “Bernarda Albas Haus” von Federico Garcia Lorca spielte ich die Magd Poncia. Eine Rolle, die mir gleich einiges abverlangte, denn sie ist eine zwiespältige Figur, die zwischen vielen Stühlen sitzt. Ich war glücklich. Und bekam tolle Kritiken und Resonanz. Und gleich im Anschluss meine nächste Rolle in einem Stück von Friedrich Dürrenmatt.

Von da an ging es mit den Engagements immer weiter und ich arbeite nun als Schauspielerin.
Ich liebe es, mich in Charaktere einzufühlen, die Emotionen einer Figur auszuloten und mich auf der Bühne mit meiner Stimme zu zeigen. Mein größter Traum beziehungsweise einer meiner großen Träume war in Erfüllung gegangen.

Meine Berufung wird mein Business

Zu dem Zeitpunkt war ich schon eine erfolgreiche Trainerin. Aber da war immer noch das Gefühl, dass ich noch nicht mein ganzes Potenzial lebte. Da war auch immer noch das Gefühl, dass noch etwas anderes von mir Ausdruck finden wollte: Meine Individualität.

Mein Ich. Sozusagen meine innere Stimme. Mein ganzes, wahres Selbst.

Diese Stimme in mir hörte nicht auf, mir zu sagen, dass ich den Menschen in meinen Seminaren und Coachings noch mehr geben könnte, wenn ich all meine Talente und meine Sensibilität für Stimme einbringen könnte, wenn ich ganz in der Wahrheit dessen stehen könnte, wer ich bin und was meine Gabe ist und damit die Welt bereichern könnte.

So machte ich mich 2013 auf den Weg und buchte Coachings, Marketingkurse und Seminare für Berufungsfindung. Ich wollte mein eigenes Ding finden. Nullachtfünfzehn-Rhetorikseminare – das war mir zu wenig! Und ich spürte bereits, dass mir noch etwas sehr am Herzen lag: Ich wollte mich nicht mehr verbiegen, ich wollte ganz ich selbst sein, pur und wahrhaft und ich wollte Frauen genau das auch zeigen, wie sie mit ihrer Stimme erstrahlen, ihre Wahrheit sprechen und damit die Welt verändern.

2016 gründete ich mein erstes Unternehmen: Stimmheldin. Ich bot ab diesem Zeitpunkt nur noch Seminare und Coachings für Frauen an.

Es gab einen Moment, wo ich bemerkte, dass die meisten Keynotes, Vorträge und Reden sowohl online als auch live von Männern gehalten werden. Damit wurde meine Leidenschaft so richtig angefacht und ich wusste: “Das will ich ändern! Ich will Frauen nach vorn bringen und dahin, dass sie sich sicher fühlen, Spaß beim Sprechen haben und ihre Inhalte mit Brillanz rüberbringen.” Ich begann, meine eigene Methode zu entwickeln.

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Anfang 2020 gab es dann nochmals einen Ruck in mir, denn ich spürte, dass meine Aufgabe noch größer werden wollte: Weibliche Weisheit muss ins Rampenlicht! Mehr Frauen müssen auf die Speakerbühnen, online und live! Mein neues Unternehmen offenbarte sich mir: „Voices of Change“

Mehr denn je brauchen wir jetzt Frauen und ihr Wissen sowie ihre Qualitäten und Energien, damit wir in der Welt eine Balance zu der dominanten, männlichen Energie bekommen.
Ich bin überzeugt, dass wir Frauen damit einen Beitrag zur Rettung der Welt einbringen. Wie der Dalai Lama es auch sagte: „Die Welt wird von den westlichen Frauen gerettet werden.“ Meine Gabe, meine Berufung, meine Expertise aus meinen Ausbildungen sowie meine Erfahrungen mit meiner eigenen Stimme und als Schauspielerin haben damit nun ein perfektes Match.

Unüberhörbar mit meiner Wahrheit und Stimme

Heute bin ich glücklich mit meinem vielfältigen Beruf. Ich bin immer dem Weg meiner Stimme gefolgt und habe mir ganz viel in mein Leben geholt, von dem ich geträumt habe. Ich habe mich über meine Stimme gefunden. Und meine Stimmentwicklung hat mich immer wieder zu neuen Chancen und Zielen geführt.

Mein Erfahrungswissen ist:
Die Entdeckung der eigenen Stimme verändert die Welt.
Die eigene Wahrheit auszusprechen, verändert das Leben.
Wenn du deine Wahrheit sprichst, kannst du die Welt verändern.

Jetzt bist du dran: Was hast du zu sagen?

Heute spreche ich vor vielen Menschen: Als Speakerin, als Trainerin, als Coach.
Ich berühre mit meiner Stimme als Schauspielerin auf der Bühne die Menschen und leihe meine Stimme als Sprecherin aus.
Ich habe mein „Richtig“ gefunden und begleite Frauen dabei, ihre Wahrheit zu sprechen, die Brillanz ihrer Stimmen zu entfesseln und als neue female leader die Welt zu verändern.

Meine Träume sind noch lange nicht ausgeträumt. Ich höre nie auf, meine Stimme weiter zu ergründen. Ich höre nie auf, meinen Ängsten ins Gesicht zu sehen.

Und meine nächste Bühne ist schon in meinem Fokus.
Größere Bühnen, als Synchronsprecherin arbeiten, ein Buch über meine Methode, Konzerte mit eigenen Songs – den ersten Song gibt es schon.

Hast du auch eine Story, die es wert ist erzählt zu werden? 

Hast du etwas richtig tolles erlebt, etwas was außerhalb deiner Komfortzone lag und das nicht 0815 Status Quo war? Willst du damit mal so richtig auf den Tisch hauen und allen Menschen zeigen, was eine Powerfrau in dir steckt?

Und vor allem andere Frauen damit inspirieren?

Oder aber du hast eine schwere Zeit durchlebt, hast alles überstanden und stehst jetzt mit erhobenem Kopf da. Willst du anderen Frauen zeigen, dass alles möglich ist, egal wie ausweglos eine Situation erscheinen mag?

Wir glauben: 

Every Woman has a Story. 

Lass uns deine hören:

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