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Von innen nach außen – Wie ich zu der wurde, die ich schon immer war

Von innen nach außen – Wie ich zu der wurde, die ich schon immer war

Daniela Persike
von innen nach aussen The Bold Woman Story

Als wäre es gestern gewesen. Wie ein Film läuft die Szene vor meinem inneren Auge ab. Ich brause mit meinem zerbeulten Pontiac Sunbird durch die einsame Landschaft. Links und rechts von mir ragen imposante Felsen empor. Überall rote Erde. Typisch für diese Gegend. Hier und da ein paar Büsche, ansonsten nur diese Weite. Endlos erstreckt sich die texanische Wüste in die Ferne. Die Sonne kitzelt die unterschiedlichsten Farbnuancen aus der sonst eher monotonen Landschaft hervor. Und ich bin mittendrin. Der Radiosender spielt meinen Lieblingssong und ich singe lauthals mit zu den Red Hot Chili Peppers. Zum allerersten Mal in meinem Leben spüre ich etwas ganz Besonderes…das Gefühl von Freiheit. Alles scheint möglich. Das Leben, ja, es wartet nur auf mich und alles, was ich tun muss, ist zugreifen.

 

Mein Auslandsjahr als Studentin in Texas ist mittlerweile 20 Jahre her. Jetzt, wo ich diesen Satz schreibe, kann ich es selbst kaum glauben. Ist wirklich schon so viel Zeit vergangen? Wenn ich aber genau hinschaue, dann ist seitdem so unglaublich viel geschehen, dass ich sagen kann: Mein Road Trip von damals war der Beginn einer langen Reise. Zu mir selbst.

Aufbruch in eine neue Welt

 

Doch springen wir noch einmal kurz zurück. Aufgewachsen bin ich in einer Kleinstadt in Niedersachsen. Dort hatte alles seine Ordnung. Der Lebensplan eines jeden einzelnen sah so aus: Sicherer Job, sicheres Einkommen, Familie gründen, Haus bauen und sich auf den Ruhestand freuen. Nun, was soll ich sagen? Ich wusste schon recht früh, dass ich so nicht leben wollte. Dass es noch irgendwas anderes geben musste als das, was mir täglich vorgelebt wurde. Doch was konnte das sein? Ich kannte ja nur das. Für mich gab es nur eine Lösung: Ich musste anfangen, zu suchen.

 

Insgesamt suchte ich über zehn Jahre in drei Ländern. USA. Ungarn. Spanien. Um mich dann letztendlich in Deutschland selbst zu finden. Jede einzelne meiner Zwischenstationen hat mir unglaublich viel gegeben und mich immer ein Stück weitergebracht. In Texas entwickelte ich den Mut, für meine Träume einzustehen. Damals wollte ich unbedingt Fernsehjournalistin werden. Doch die Reaktionen aus meinem Umfeld waren eher verhalten. Die Botschaft blieb dieselbe: Vergiss es, da will jeder hin. Ohne Vitamin B wird das nichts.

 

Davon ließ ich mich nicht beirren. Ich lief los und bekam einen Fuß in die Tür der Fernsehbranche. Kaum angekommen, merkte ich jedoch schnell, dass die alltägliche Jagd nach Bildern, die oft wichtiger waren als die Geschichten selbst und die Schnelllebigkeit im Nachrichtengeschäft nichts für mich waren.

 

Ich ging nach Budapest. Diesmal arbeitete ich in einer Online-Redaktion, jedoch immer noch tagesaktuell.

 

Zeit des Loslassens

 

Die eineinhalb Jahre in Ungarn lehrten mich vor allem eines: Den Umgang mit dem Alleinsein. Da war ich nun in einem Land, das mir völlig fremd war. Dessen Sprache ich nicht verstand und die auch gar nicht so leicht zu lernen war, wie ich recht schnell feststellte. Hier Kontakte zu knüpfen war einfach mal ziemlich schwer und das brachte mich zum Umdenken. Ich fing an, alleine auszugehen. Erst ins Kino, dann in Museen und in Clubs. Unter anderen Umständen wäre das für mich damals noch undenkbar gewesen. Man geht doch nicht alleine weg. Was denken bloß die anderen? Womöglich noch, dass ich keine Freunde habe.  

 

Rückblickend betrachtet war meine Zeit in Budapest genau das, was ich gebraucht habe, um mich zu der unabhängigen und emanzipierten Frau zu entwickeln, die ich heute bin. Und falls du dich das gerade fragst: Ja, ich habe dort Leute kennen gelernt und Freunde gefunden. Das war allerdings nur möglich, weil ich die ganzen Meckerstimmen in meinem Kopf ausgeschaltet und mich auf Neues eingelassen habe.

 

Zeit für Veränderungen

 

In Barcelona sprang ich noch einmal richtig aus meiner Komfortzone heraus. Ich flog einfach dorthin. Mit meinem großen, roten Koffer und den Kopf voller Ideen. Dort erwartete mich auch kein Job oder ein bekanntes Gesicht. Ich konnte weder die Sprache, noch kannte ich das Land. Ich wollte einfach nur am Meer leben und Spanisch lernen. Beruflich sollte es für mich in eine andere Richtung gehen.

 

Vom tagesaktuellen Arbeiten in einer Nachrichtenredaktion wollte ich nichts mehr wissen. Diesmal war ich entschlossen, meine Begeisterung für Sprachen weiterzugeben. Als Sprachlehrerin. Mit einem BA einer amerikanischen Universität in der Tasche und als Journalistin könnte ich mit meinem Sprachgefühl schließlich ganz leicht Englisch unterrichten. Davon war ich überzeugt.

 

Interessanterweise fügen sich auch die Dinge, wenn du einmal losgehst und wirklich aus ganzem Herzen an etwas glaubst. Gegangen bin ich zunächst viel. Durch die Stadt. Ich klapperte sämtliche Sprachschulen ab und stellte mich mit meinem strahlendsten Lächeln und meinem Lebenslauf im Gepäck spontan vor. Manchmal konnte ich sofort mit den Verantwortlichen sprechen, manchmal hinterließ ich einfach nur meinen Lebenslauf an der Rezeption. Ich bekam ein paar Angebote, die mir nicht zusagten und eines, das ich nicht ablehnen konnte.

 

Eine Woche später stand ich dann vor meiner ersten Gruppe in einem Unternehmen als Inhouse-Trainerin für Englisch. Ich merkte, dass mein Studium und mein Background als Journalistin alleine nicht ausreichten, um wirklich gut unterrichten zu können, aber in meine neue Rolle als Sprachlehrerin wuchs ich schnell hinein.

 

Heute bin ich mir sicher, dass nur mein Glaube an mich selbst und an meine Fähigkeiten dazu geführt hatte, dass ich wie ein Staubsaugervertreter Klinken putzen gegangen bin. Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht bei meinem zukünftigen Arbeitgeber reingeschneit und hätte dann auch den Job nicht bekommen. Zu einem Zeitpunkt als ich noch keine Ahnung vom Unterrichten hatte.

 

Doch nach knapp fünf Jahren fehlte mir auch da die Herausforderung. Ich startete ein Drehbuchprojekt, bildete mich in Storytelling weiter und wollte mich ins Autorenleben stürzen. Was meinst du, wo ließe es sich als Künstlerin am besten leben…? Genau! In Berlin.

 

Die Rückkehr

 

Ich ging zurück nach Deutschland und arbeitete fleißig an meiner Komödie. Meine Brötchen verdiente ich mir mit diversen Bürojobs. Ich reiste durch die unterschiedlichsten Branchen – vom öffentlichen Dienst bis zur Künstleragentur – und erlebte eine emotionale Achterbahnfahrt. Langeweile und Bore Out in den großen Verbänden und Konzernen. Psychoattacken und Emotionsdramen in der Künstleragentur. Dabei rede ich jetzt nicht von mir, sondern von meinem damaligen Arbeitsumfeld.

 

Ich selbst drehte erst später durch. Ich hatte das Drehbuch Schreiben an den Nagel gehängt und war wieder Vollzeit dabei. Im Job. In einer Sprachschule und arbeitete dort als Lehrerin. Koordinatorin. Prüfungsbeauftragte. Arschtritt-Queen. Kummer- und Kümmertante. Mädchen für Alles und Frau für alle Fälle.

 

Die vielen Rollen, die ich dort einnahm, vereinnahmten mich vollkommen. So sehr, dass ich eines Tages nicht mehr wusste, wo oben und wo unten war. Wer ich eigentlich war. Welche Bedürfnisse ich selbst noch hatte. Was ich eigentlich wirklich wollte. Von mir, von meinem Leben.

 

Ich mache es kurz. Ich erinnere mich noch genau an diesen einen Moment, in dem – mitten im Alltagschaos und Stress – innerlich ein Band in mir zerriss. Genauso fühlte es sich an. Ein lauter R-A-T-S-C-H und danach plötzlich nur noch Leere. Ich flüchtete mich tränenüberströmt nach Hause. Am nächsten Morgen saß ich heulend beim Arzt. Ich ließ mich krank schreiben.

 

An jenem Tag, an dem mir meine Nerven durchgingen, wurde mir eines klar. Ich hatte die Verbindung zu mir selbst komplett verloren. Ich hatte viel zu lange nicht zu mir gestanden, mich verbogen und versucht, in Strukturen zu arbeiten, die einfach nicht zu mir passen.

 

Die wichtigste Reise meines Lebens

 

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Raus aus dem Agenturjob, rein ins Outback

Ich ging zu einem Empowermentabend mit Coaches. Das war der Wendepunkt für mich. Plötzlich erkannte ich. Es liegt alles an mir. Ich habe es in meiner Hand. Ich entscheide selbst, wie ich mich fühlen will. Ich, ja ich, kann in einem Bruchteil einer Sekunde den Autopiloten in mir ausschalten und bewusst entscheiden, wie ich mit einer Stresssituation umgehen möchte.

 

Halleluja. Was für eine Erkenntnis!

 

Gut. Das konnte ich natürlich nicht alles sofort umsetzen, aber der Samen war gesät. Ich hatte einen Weg für mich gefunden. Einen Ausweg. Einen Weg in ein neues, erfülltes Leben.

 

Endlich angekommen!

 

Ich begann, mich mit meiner persönlichen Weiterentwicklung zu beschäftigen. Ich verschlang bergeweise Bücher, hörte Podcasts und ging zu Seminaren. Ich lernte, achtsam mit mir umzugehen, meditierte und machte Yoga. Ich setzte mich intensiv mit mir selbst und meinen eigenen Selbstsabotagemustern auseinander. Kurzum: Ich wurde zu der Person, die ich im Grunde schon immer war. Ich konnte es nur sehr lange nicht sehen, weil ich mir viel zu viele Geschichten erzählte. Geschichten über das, von dem ich meinte, dass es möglich sei, dass ich es könnte oder dürfte. Einfach irgendwelche Geschichten, die nur dazu dienten, mich in meinem selbst erschaffenen Glaskäfig gefangen zu halten.

 

Irgendwann hatte ich auf meinem Weg meine Träume verloren und gegen die vermeintliche Sicherheit und Bequemlichkeit eingetauscht. Der Preis war hoch.

 

Nachdem ich meinem Mindset ein Upgrade verpasst hatte, entdeckte ich meine Leidenschaft in genau diesen Themen. Eine Stimme in mir wurde immer lauter. Das ist es! Ja, das will ich! Diesmal hörte ich genau hin.

 

Heute arbeite ich als Mindset Coach für berufliche Erfüllung. Ich helfe meinen Klientinnen dabei, die Suche im Außen zu beenden und sich selbst zu entdecken, neu zu erfinden, einen Neuanfang zu wagen. Einfach den Mut aufzubringen, sie selbst zu sein und zu sich zu stehen. Ich bin überzeugt davon, dass sich jede Frau ihr Leben so gestalten kann, wie sie es möchte. Wenn sie eine Veränderung wirklich will. Nur so ist meiner Meinung nach ein erfülltes Leben möglich. Der Weg dahin führt immer in eine Richtung. Von innen nach außen.

Hast du auch eine Story, die es wert ist erzählt zu werden? 

Hast du etwas richtig tolles erlebt, etwas was außerhalb deiner Komfortzone lag und das nicht 0815 Status Quo war? Willst du damit mal so richtig auf den Tisch hauen und allen Menschen zeigen, was eine Powerfrau in dir steckt?

Und vor allem andere Frauen damit inspirieren?

Oder aber du hast eine schwere Zeit durchlebt, hast alles überstanden und stehst jetzt mit erhobenem Kopf da. Willst du anderen Frauen zeigen, dass alles möglich ist, egal wie ausweglos eine Situation erscheinen mag?

Wir glauben: 

Every Woman has a Story. 

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