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Geboren, um frei zu sein

Geboren, um frei zu sein

Geboren, um frei zu sein The Bold Woman

Ich war keine zehn Jahre alt, als ich in den 80er Jahren einer Musikkassette lauschte, auf welcher mir ein Lied offenbart wurde, das mich auf einer sehr subtilen Ebene erreichte. Etwas darin berührte mich tief. Ich konnte es nicht greifen, aber es war spürbar faszinierend. Kurti Elsasser interpretierte diesen ersten Titel der Kassette mit knabenhaft heller Stimme, noch bevor er den Huckelburry Finn zum Besten gab. Den Frohsinn der Melodie mochte ich sehr und heute schmunzle ich über die Abenteuer, die ich selbst viele Jahre später verwirklicht habe.

„Frei sein, wie der Mann in den Bergen“. So hieß das Lied. Zwar fand ich seine Melodie langweilig im Vergleich zu all den nachfolgenden Liedern auf der Kassette, aber die Energie des Besungenen brannte sich mir ein. Und es brauchte einige Jahre, bis ich verstand, warum es mir so zu Herzen ging.

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, inmitten von Tieren, mehreren Geschwistern, frühen Verpflichtungen und großer Unruhe. Als ich mit zwei Jahren ein Köfferchen schnappte, um dem Stress zu entfliehen, zeigte sich bereits mein mir innewohnender Freiheitsdrang sehr deutlich.

Danach lebte ich das Leben einer vorbildlichen Tochter. Bis zu dem Tag, als ich mit 24 Jahren eine bevorstehende Hochzeit absagte. Da war er wieder, dieser Ruf nach Freiheit.

Eine Hochzeitsabsage – zwei Monate vor dem geplanten Termin? Das nimmt man sich nicht vor. Nicht, wenn man den Antrag mit gutem Gewissen angenommen hat. Vielmehr spitzte sich dieses innere Erdbeben unbewusst und langsam zu und mündete, nachdem der Druck groß genug war, in einem für viele erschütterndes NEIN. Das konservativ katholische und traditionelle Umfeld, in dem ich aufgewachsen war, war schockiert.

Mir war bewusst geworden, wie wenig ich für den Käfig einer legalisierten, ehelichen Verbindung bestimmt war. Die Enge machte mir Angst. Obwohl erleichtert, fühlte ich mich lange Zeit schuldig und konnte den Zustand der Befreiung kaum genießen. Ich zahlte meinen Preis auf vielerlei Ebenen für die wieder gewonnene Freiheit und eine spürbar erwachende Selbstbestimmtheit.

Mein erstes klares NEIN brachte eine bis dato versteckte Facette in mir zum Vorschein: Wahrhaftigkeit. Ich konnte nicht umhin, mir selbst, meiner Natur und meinen Werten treu zu bleiben. Ich wollte authentisch sein und nahm in Kauf, jemandem weh zu tun. Wenn es heute gut ist, dann, weil es mir immer ein Anliegen war, mit diesem Mann viel später wieder ins Gespräch zu kommen und Heilung geschehen zu lassen.

Das alles passierte, als ich gerade eine 2. Klasse in einer Privatvolksschule in Wien unterrichtete. Ich war fünf Jahre alt, als ich davon träumte, eines Tages Lehrerin zu sein. Und das, obwohl ich gar keine unmittelbaren Vorbilder hatte. Mein Traum erfüllte sich, als ich 21 war. Nach neun Jahren leidenschaftlichen Unterrichtens nahmen jedoch meine innere Unruhe und Unzufriedenheit zu. Ich spürte, dass mir das Korsett des Systems, in dem ich mich befand, zu eng geworden war und hielt Ausschau nach Möglichkeiten, eine Pause einzulegen.

Die Option einer Sprachassistenz im fremdsprachigen Ausland kam dabei wie gerufen. Ein halbes Jahr nach meinem 30. Geburtstag packte ich die Koffer und reiste ins Unbekannte. Dem ursprünglich geplanten, einzigen Auslandsjahr in Südfrankreich folgten weitere fünf Jahre in Frankreichs Westen. Ich hatte eine neue Freiheit entdeckt und liebte dieses Land, welches mir zum großen Heiler in einer schwierigen Lebensphase geworden war.  

Neben all der Schönheit in Kultur und Sprache, den Erkenntnissen und Freundschaften war meine persönliche Ganzwerdung eingeleitet worden. Ich hatte die Zeit in der Fremde nicht nur für die Abenteuer im Außen genützt, sondern sehr intensiv auch für die Reise in meine inneren Welten. Es waren viele, schmerzhafte Momente, die ich meistern sollte. Sie haben mir genommen, was nicht (mehr) zu mir gehörte und mir stattdessen gegeben, was viel besser passte. Es war ein Gesundungsprozess auf allen Ebenen und eine Einweihung in ein Leben, das mir entsprach.

In all den Jahren in der Fremde hatte ich viel über mich und meine Intuition gelernt und folgte meiner inneren Stimme mehr und mehr. Als Kinjal, meine indische Freundin, verkündete, sie würde zurück an die Universität gehen, war auch mir plötzlich sonnenklar, ich musste dasselbe tun. Mein Wunsch im Ausland zu studieren, sollte sich erfüllen. Ich erinnerte mich gut, wie ich all die Erasmusstudenten in meinen damals jungen 20 Jahren um diese Erfahrung beneidet hatte. Allein mir fehlte der Mut, meine Eltern zu fragen. Doch ganz offensichtlich erhalten Herzenswünsche gerne eine zweite Chance.

Nach dem Studium beendete ich meine Zeit in Frankreich. Der Ruf nach Abenteuer und Reisen wurde lauter. Inzwischen hatte ich mich von meinem Beruf der Lehrerin und einer Beziehung getrennt und wollte nur noch tun, was für mich Sinn ergab. Also verkaufte ich, einem Impuls folgend, meine Wohnung, packte die Koffer, und war entschlossen, diese große, weite Welt zu entdecken.

 

Alleine. Und voller Tatendrang.

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Ich lernte faszinierende Erdteile und ihre Bewohner kennen und erhielt wundervolle Einladungen von inspirierenden Menschen in aller Herren Länder. Ich eroberte Gipfel, Täler, Strände, Wüsten und Urwälder. Ich genoss die schönsten Panoramen und überquerte zahlreiche Grenzen. Ich begegnete einer Liebe auf Maui und ließ sie Monate später in Kanada zurück. Ich arbeitete als Freiwillige in Peru und tanzte Tango in Buenos Aires. Ich durchwanderte einen Nationalpark in Ecuador in 3000 Metern Höhe mutterseelenalleine und begegnete der unendlichen, schöpferischen Intelligenz in einem Ayahuasca Ritual in Brasilien. Ich inhalierte Kunst und Kultur in New York und erhielt eine Rose auf einem Bahnsteig in Los Angeles von einem geheimnisvollen Gentleman. Ich feierte Weihnachten am Titicacasee und wäre am liebsten in Machu Picchu geblieben. Ich war zu einer Hochzeit in Mumbai geladen und tauchte in die Energie eines indischen Ashram ein. Ich sah die Zedern des Libanon und das Erbe der Mauren in Andalusien. Ich lernte Italienisch in Florenz und fuhr Kajak in Schweden. Ich hüpfte in das 14 Grad kalte Wasser der Ostsee und verliebte mich in die Insel Föhr in der Nordsee. Wenn ich unterwegs war, fühlte ich mich lebendig.

Alle Reisen hatten eine heimliche Bestimmung. Sie waren eine Heimkehr zu mir Selbst. Es gab schwindelnde Höhen zu erleben und ebensolche Tiefen zu durchschreiten. Ich leckte Wunden, sprengte innere Grenzen und erhob mich wieder und wieder wie ein Phönix aus der Asche. Ich lernte wahrhaftig zu leben und meinen stärksten Impulsen zu vertrauen. Ich eroberte innere und äußere Territorien und wusste plötzlich, welches der eigentliche Sinn meines Lebens war:

FREI ZU SEIN.

Freiheit ist mein wichtigster Wert. Für ihn gehe ich durchs Feuer. Ich lebe ihn täglich. Auch und vor allem in meinem Online Business, das ich gegründet habe, nachdem ich meine intensiven Reisejahre beendet und zurück in Wien die Ausbildung zum System Coach abgeschlossen hatte. Ich war auf der Suche nach einem Beschäftigungsmodell gewesen, das mir erlaubte, meinem Wert treu zu bleiben. Und es kam wie gerufen. Wenn ich heute Frauen im In- und Ausland online begleite, dann mit dem Ziel, sie in ihre Kraft und Selbstliebe zu führen, damit sie das Leben ihrer Träume nicht nur träumen, sondern auch verwirklichen.

Dir als LeserIn wünsche ich, dass du diese tiefe Erfahrung der Freiheit in deinem Leben machen darfst. Dass du dich frei machst von allen deinen inneren Begrenzungen und dass du mit Freuden lebst, wofür zu leben du gekommen bist.

Eines meiner liebsten Zitate aus dem reichen, literarischen Schatz Mark Twains möge deine Reise in DEIN Leben und DEINE Freiheit begleiten:

„In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln. Erforsche. Träume. Entdecke.“

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