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Geh niemals in Elternzeit, wenn Dein Mann mehr verdient

Geh niemals in Elternzeit, wenn Dein Mann mehr verdient

Irene Genzmer
Geh niemals in Elternzeit, wenn Dein Mann mehr verdient

Wenn es um die Frage geht, wer Elternzeit nimmt, ist eines der meist genannten Argumente von Frauen: Mein Mann verdient viel mehr als ich, also macht es Sinn, dass ich zu Hause bleibe.

Mit Blick auf die Zahlen scheint das logisch, denn die Familie müsste wegen des geringeren Einkommens des Mehrverdieners in Elternzeit Einkommenseinbußen hinnehmen, während sie gleichzeitig mit Kind mehr Kosten hat. Das macht doppelt weniger Geld zum Leben.

Aus zwei Gründen ist das jedoch keine gute Idee. 

Erstens: Während der Mann seine ohnehin schon fortgeschrittene Karriere weiter vorantreibt, stagniert die berufliche Weiterentwicklung bei der Frau durch die lange Elternzeit. Die Einkommensschere zwischen den Ehepartner*innen wächst. Daher ist es dann im nächsten Schritt nur konsequent, dass die Mutter, nachdem sie ein Jahr aus dem Arbeitsleben raus ist, in Teilzeit wieder einsteigt, denn ohne das Gehalt des Vaters geht es ja nicht – und wer soll sich sonst um das Kind kümmern?

 

Die Falle schnappt zu

Die Augenhöhe in Bezug auf Lebensentscheidungen und Finanzen geht verloren.

Die Frau bleibt in Teilzeit und arbeitet auf Lohnsteuerklasse 5. Auch das scheint aus finanzieller Sicht erstmal logisch, sorgt aber erwiesenermaßen dafür, dass die Arbeit der Frau sowohl in ihrer eigenen als auch in der Wahrnehmung des Mannes eine Abwertung erfährt.

Die restlichen Stunden arbeitet die Frau unbezahlt, indem sie den Haushalt macht und die Kinder großzieht. Während dieses Idyll in einer jungen Familie meist noch gut funktioniert, wird die unbezahlte Arbeit der Frau im Laufe der Jahre immer selbstverständlicher, wie auch die Tatsache, dass sie sich nach den Lebensentscheidungen des Mannes richtet.

Die beruflichen Entscheidungen des Haupt- oder Alleinverdieners dominieren das Familienleben, denn die Frau kann ihren „Hauptjob“ – die Haus- und Care-Arbeit – überall ausführen. Im besten Falle werden Entscheidungen, das gemeinsame Leben betreffend dennoch gemeinsam getroffen, wenn es nicht so gut läuft, wird er zum Entscheider, der sich dann gerne mal die ein- oder andere großzügige Ausgabe erlaubt – denn schließlich hat er das Geld ja auch verdient. 

Die Augenhöhe in Bezug auf Finanzen geht verloren, und die Frau ist doppelt gekniffen: Sie macht sich finanziell vom Mann abhängig und erfährt weder in der Familie noch im Job ausreichend Wertschätzung, während ihre Entwicklungsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind.

Wenn die Kinder dann aus dem Haus sind, nun ja, dann ist es für eine Karriere ohnehin zu spät und die Frau auch nicht gerade besonders selbstbewusst, was den Arbeitsmarkt angeht.

Natürlich kann dieses Modell funktionieren, wenn die Eheleute oder Partner*innen sich weiterhin gut verstehen und gemeinsam alt werden. Laut Ehestatistik stehen die Chancen, dass das klappt, zwei zu eins.

 

Du hast die Wahl: Verzicht auf Karriere oder Burnout?

Der zweite Grund, warum die Frau nicht länger in Elternzeit gehen sollte, ist die Aufteilung der Care-Arbeit. Denn wenn sich die Frau ein Jahr lang um das Baby gekümmert hat, während der Mann nur ab und zu „mithilft“, ist es unglaublich schwer, die Care-Arbeit gerecht aufzuteilen, wenn die Mutter wieder arbeiten geht – auch, wenn das eigentlich anders geplant war. Laut einem Report des Familienministeriums wollen immerhin 60 Prozent der Paare zu gleichen Teilen arbeiten gehen und das Kind versorgen. Sobald das Kind da ist, bleiben 14 Prozent übrig, die Arbeit und Kindererziehung tatsächlich hälftig aufteilen.

Die OECD hat ermittelt, dass Frauen in Deutschland 164 Minuten am Tag mit Haus- und Care-Arbeit verbringen, Männer 90 Minuten. Annähernd drei Stunden gegen anderthalb.

Jeden. Tag. Aufs. Neue.

Die Konsequenzen für Mütter sind Verzicht auf Karriere oder Burnout. Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass rund zwei Drittel aller erwerbstätigen Mütter in Teilzeit arbeiten, bei den Männern sind es keine zehn Prozent. Vom Burnout betroffen sind vor allem Mütter zwischen 30 und 39 Jahren, wobei der Stress laut einer Studie der Techniker Krankenkasse nicht durch die Kinder, sondern, durch die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgelöst wird. Schätzungen zufolge ist jede fünfte Mutter vom Erschöpfungssyndrom betroffen.

 

Investiere in ein Familienleben, bei dem der Vater nicht nur Zaungast ist!

Kommen wir zurück zum Argument, dass der Mann mehr verdient. Wäre es andersherum nicht viel logischer? Mein Mann nimmt (zumindest einen großen Teil) Elternzeit, damit ich nicht noch mehr ins Hintertreffen gerate, sondern irgendwann auch so vernünftig verdienen kann, dass ich den Lebensunterhalt für mich und unser Kind auch alleine bestreiten könnte.

 

Das heißt natürlich, wenn das Kind da ist, erstmal finanzielle Einbußen hinzunehmen. Aber das ist es wert. Es ist die wichtigste Investition, die Frauen machen können: in ihre eigene Zukunft, in eine Partnerschaft auf Augenhöhe, in ein Familienleben, bei dem der Vater nicht nur Zaungast ist, und in die Absicherung ihres Kindes.

Nach der Elternzeit teilen sich beide die Care-Arbeit und den Haushalt, und arbeiten beide weiterhin daran, interessante und adäquat bezahlte Jobs zu haben. Wenn dann einem von beiden etwas passiert, sie oder er nicht mehr arbeiten kann, sind sie abgesichert. Wenn eine*r von beiden sich trennen möchte, sind beide abgesichert, und könnten beide das Kind bei sich behalten, ohne dass plötzlich kein Geld mehr da ist. Wenn das alles nicht passiert, geht es ihnen langfristig immer besser, weil beide in vernünftig bezahlten Jobs sind, und weil sie eine gleichberechtigte Beziehung führen. Und das Kind? Kommt in den Genuss, mit Mutter und Vater viel Zeit zu verbringen und von beiden gleichermaßen erzogen zu werden.

Info zur geplanten Neuordnung der Steuerklassen

Bisher ist es gängige Praxis, dass Paare mit unterschiedlich hohem Einkommen die Kombination der Steuerklassen 3 und 5 nutzen. Dabei bekommen diejenigen, die mehr verdienen, ein deutlich höheres Netto, während das Netto der Weniger-Verdienenden sinkt.
Das sind in der Regel die Frauen – vor allem Mütter nach der Elternzeit. Diese Kombination will die Bundesregierung jetzt abschaffen. Gründe dafür sind zum einen die Tatsache, dass vor allem junge Mütter durch die überproportional hohe Steuerlast kaum motiviert sind, sich beruflich mehr zu engagieren. Zum anderen haben diejenigen in Steuerklasse 5 aber auch ganz konkrete finanzielle Nachteile, wenn es um Rentenbezüge und Sozialleistungen geht.
Die Steuerklassenkombination 3 und 5 soll vom sogenannten Faktor-4-Modell abgelöst werden, bei dem der Grundfreibetrag sowie die Vorsorgepauschale anteilig auf beide Partner*innen verteilt wird, um zu einer gerechteren monatlichen Steuerlast zu gelangen. Auf
die jährliche Steuerlast des Paares soll dies keine Auswirkungen haben.

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Hier gibt es noch mehr zum Thema Finanzen für Frauen und Working Moms.

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