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Die Geburt meines ersten Kindes war der Beginn eines langen Weges zurück zu mir selbst

Die Geburt meines ersten Kindes war der Beginn eines langen Weges zurück zu mir selbst

Katrin Neiß
Geburt meines ersten Kindes - The Bold Woman

Plötzlich wurde es hektisch um mich herum.

Die Ärztin gab mir eine Schreibunterlage in die Hand und ich kritzelte ungelenk meine Unterschrift darunter. Mein Mann sah besorgt aus, sagte aber, dass es das Beste für unseren Sohn sei.

Die Wehen waren immer noch stark. Das wäre bald vorbei, sagte die Ärztin. Sie würden mir ein wehenhemmendes Mittel spritzen und mich bereit machen für den Notkaiserschnitt. Ich wusste instinktiv, dass es meinem Kind gut geht, vertraute den Ärzten und ließ alles über mich ergehen. Ich bekam einen Schlauch in den Mund und wurde festgeschnallt. Das sah ich alles nicht mehr, denn das wehenhemmende Mittel sorgte dafür, dass ich meine Augen nicht mehr öffnen konnte. Ich konnte nur noch hören, was um mich herum geschah. Ich erwartete, dass ich jeden Moment einschlafen würde.

Aber ich war wach! Ich hörte wie eine männliche Stimme sagte:“ Wo ist die braune Soße?“ Braune Soße? Meinte er dieses gefärbte Desinfektionsmittel? Die wollten mir doch um Himmelswillen nicht jetzt schon den Bauch aufschneiden! Ich war doch noch wach! Ich konnte mich aber nicht bemerkbar machen… In meiner Not und in Erwartung der schlimmsten Schmerzen fing ich an zu beten. Das „Vater unser“. Ich kam bis zu der Zeile „Dein Wille geschehe…“. Dann schlief ich ein.

 

Kein guter Anfang

Unser Sohn kam zwar gesund zur Welt, musste dann aber trotzdem intensivmedizinisch betreut werden. Da das Krankenhaus, in dem ich entbunden hatte, keine solche Abteilung für Säuglinge hatte, wurde mein Sohn in ein anderes Krankenhaus gebracht, und wir haben uns erst 17 Stunden später wiedergesehen, weil ich noch nicht transportfähig war. Kein guter Anfang.

Unser Sohn schrie viel. Ich war nach kurzer Zeit vollkommen fertig mit den Nerven, zumal mein Mann auch wieder arbeiten ging – aber ich funktionierte. Das hatte ich ja schon immer getan. Ich fokussierte mich auf unser Baby und vergaß, auf meine Bedürfnisse zu achten. Bis mein Körper rebellierte und ich einen Bandscheibenvorfall hatte. Ich kam zu einem Osteopathen, der mir immer wieder sagte: “Lassen Sie doch mal los…“ Genau das konnte ich nicht. Ich wollte immer alles kontrollieren, nichts dem Zufall überlassen. Das war eine Eigenschaft, die mir als Eventmanagerin half, meine Sache gut zu machen. Aber hier auf der Liege des Osteopathen merkte ich, dass ich ganz verlernt hatte, auch mal loszulassen. Wirklich zu vertrauen. Ich war total verkopft. Das spürte ich auch, als mir ein paar Wochen später eine Freundin anbot, mit ihr Yoga zu machen. Es fiel mir schwer, mich auf die Übungen einzulassen, nur meinen Atem wahrzunehmen, mich gehen zu lassen. Aber wir machten weiter, denn es tat mir gut, auch einfach mal zwei Stunden etwas für mich zu tun und rauszukommen aus dem Windelkosmos.

 

Mütter haben keine Lobby

Als mein Sohn 1 Jahr alt wurde, wollte ich wieder zu meiner alten Arbeitsstelle zurückkehren. Ich arbeitete vor der Geburt meines Sohnes in der Marketingabteilung eines kleinen Unternehmens in der Medizintechnikbranche und war dort u.a. für Messeauftritte und Veranstaltungen zuständig. Natürlich hatte ich während meiner Elternzeit Kontakt zu dem Unternehmen gehalten und freute mich darauf, in meine Abteilung in Teilzeit wieder zurückzukommen. Umso überraschter war ich, als ich von meinem Arbeitgeber ein Schreiben erhielt, dass ich nicht wie geplant wieder einsteigen könne. Meine bisherige Tätigkeit sei nicht für eine Teilzeitstelle geeignet, hieß es. Das Unternehmen war in meiner Elternzeit aufgekauft worden, und es gab einen neuen Vorstandsvorsitzenden, der außerdem auch noch einen neuen Marketingchef mitgebracht hatte. Die beiden kannten mich und meine Arbeit nicht. Auch ein persönliches Gespräch änderte an der Einstellung nichts. Nun stand ich da, mit dem Rücken zur Wand und merkte das erste Mal, dass Mütter keine Lobby haben.

Dann kam mir ein großer Zufall zur Hilfe. Ein Freund meines Mannes erzählte mir von einer freien Stelle bei einer europäischen Bank, die für ihre Repräsentanz in Berlin jemanden in Teilzeit bräuchten, der englisch und französisch spricht und Veranstaltungen organisieren kann. Ich bewarb mich und bekam die Stelle. Erstmal sollte das nur eine Übergangsstelle sein, die auf 1 ½ Jahre befristet war, bis ich wieder bei meinem alten Arbeitgeber einsteigen könnte, so hoffte ich. Es wurden dann aber doch fünf Jahre daraus. Der Job war okay, ich verdiente mehr als vorher und konnte die Teilzeitstelle gut mit meinem Mutterdasein vereinbaren.

 

Gar nichts mehr im Lot

Mein Leben lief also wieder in geordneten Bahnen. Alles funktionierte wieder. Unser Sohn wurde größer, wir zogen in eine größere Wohnung mit Garten um und mein Mann sprach immer öfter von einem zweiten Kind, das er sich wünschte. Mein Kinderwunsch war nicht so groß, nachdem was mir passiert war. Aber irgendwann ließ ich mich eher halbherzig darauf ein und freute mich dann doch, als ich wieder schwanger wurde. Aber als ich in der 12. Woche war, verlor ich das Kind. Es musste eine Ausschabung gemacht werden. Danach ging es mir gar nicht gut. Ich rollte mich auf dem Sofa zusammen und war zu nichts mehr fähig. Ich wurde dann auch krank, eine heftige Erkältung und brauchte Antibiotika. In der Apotheke, in der mein Mann die Medikamente bestellte hatte und in die ich sonst nie ging, lag ein Flyer von einer Körpertherapeutin. Darauf stand die Frage: „Sind Sie im Lot?“ Nein, das war ich wirklich nicht. Spontan rief ich dort an und machte einen Termin.

Ich erfuhr, dass Schmerz- und Stressempfinden in den Zellen gespeichert wird und wie man diese mit Hilfe von physischen Übungen lösen kann. Bei manchen Übungen zitterten meine Muskeln und mir kamen die Tränen. Aber hinterher ging es mir immer besser. Ich lernte meinen Körper genauer zu beobachten, psychosomatische Zusammenhänge zu erkennen und Symptome ernst zu nehmen. Und wir konnten mein Geburtstrauma lösen. Dass es ein Trauma war, habe ich erst bei der Therapeutin richtig begriffen.

Nicht lange nach meinem 40. Geburtstag saß ich abends am Fenster und guckte in die dunkle Nacht hinein. Tief in meinem Inneren fühlte ich die Sehnsucht nach einem zweiten Kind. Ich wollte es nochmal versuchen. Diesmal wünschte auch ich es mir von Herzen.

 

Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will

Kurze Zeit später wurde ich schwanger. Ich war überglücklich. Instinktiv wusste ich, dass alles gut gehen wird. Privat war ich angekommen, hatte viel über mich und meinen Körper gelernt, achtete immer mehr auf meine Bedürfnisse, war durch die Yogapraxis, die ich über all die Jahre beibehalten hatte, immer achtsamer mit mir und meiner Umwelt geworden.

Aber beruflich war ich unglücklich. Ich sah keinen Sinn, in dem, was ich tat. Und es machte mir auch keinen Spaß. Ich war viel allein im Büro, hatte kaum etwas zu tun.

Eine Freundin schenkte mir ein Selbstcoaching-Buch von der bekannten und leider vor Kurzem verstorbenen Autorin und Coach Barbara Sher mit dem zauberhaften Titel „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“. Genauso ging es mir. Ich machte einige Übungen daraus und meldete mich dann spontan zu einem VHS-Wochenend-Schnupperkurs „Coaching mit NLP“ an.

An diesem Wochenende lernte ich, dass wir alle zu 95 % aus unserem Unterbewusstsein agieren und dass dort tiefe Glaubenssätze versteckt sind, die wir uns wie Brillen auf unseren Nasen vorstellen können. Wir denken, dass die Welt so ist wie sie ist, weil wir sie durch diese Brillen sehen. Bis uns jemand darauf aufmerksam macht und wir die Brille abnehmen. Diese Erkenntnis war wie eine Offenbarung. Das hieß ja faktisch auch, dass ich es in der Hand habe, wie ich die Welt sehe. Ich bin quasi die Gestalterin meines Lebens. Wow! So hatte ich das bisher noch nicht gesehen.

Ich war ja schwanger – mittlerweile im 3. Monat – und machte mir Gedanken, wie ich das Kind auf die Welt bringen könnte. Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt? Dieses Thema brachte ich bei einer der Coaching-Übungen mit ein. Der Leiter des Kurses bekam das mit und gab mir den Tipp, mich bei einem ganzheitlichen, anthroposophischen Krankenhaus zu melden. Er kenne dort den Chef-Gynäkologen. Das habe ich dann auch getan, aber vor Ort  musste ich leider  feststellen, dass der Chef-Gynäkologe in einer 5-stündigen Not-OP ist und dementsprechend keine Zeit für mich hat.

Ich wollte schon fast gehen, aber durch meine neuen NLP-Erfahrungen handelte ich anders. Ich habe mich darauf besonnen, dass ich die Gestalterin meines Lebens bin und habe der Sekretärin gesagt, dass ich nicht gehen werde, bevor ich nicht mit jemandem aus der Gynäkologie gesprochen hätte. Daraufhin kam die Oberärztin und war offen für mein Anliegen. Sie sagte schon nach fünf Minuten zu mir, dass sie sich gern viel länger für mich und meine Geschichte Zeit nehmen möchte und dass ich mir aber sicher sein könne, dass ich hier in dem Krankenhaus gut aufgehoben sei und all meine Wünsche berücksichtigt würden. Mir kamen die Tränen. Ich spürte, dass ich hier richtig bin.

 

Mutig sein heißt, der Herzensstimme zuzuhören und ihr zu folgen

Und dort in diesem Krankenhaus ist dann mein zweiter Sohn geboren worden. So wie es für mich richtig war. Wirklich alle meine Wünsche wurden berücksichtigt und ernst genommen. Ich hatte eine fantastische Hebamme, die mich nach der Geburt betreute, eine tolle Homöopathin, die mein Kind und mich optimal begleitete. Mein Sohn und ich waren wie eins. Ich spürte instinktiv, was mit ihm ist. Er weinte kaum und wenn, ließ er sich schnell beruhigen.

Es war eine so andere Erfahrung als mit meinem ersten Kind. Weil ich anders war!

Da ich noch mehr über unbewusste Glaubenssätze und Coachingmethoden wissen wollte, meldete ich mich zu einem ersten Coaching-Modul an, als mein kleiner Sohn 5 Monate alt war. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass es eine absolut erfüllende Aufgabe ist, Menschen als Coach liebevoll und wertschätzend zu begleiten und zu unterstützen. Und mehr noch. Ich hatte es eigentlich mein ganzes Leben lang getan. Denn wie oft hatten Freunde und Bekannte zu mir gesagt: “Ich habe das noch keinem erzählt, aber Dir vertraue ich es an.“ Und jetzt lernte ich dazu auch die richtigen Methoden kennen. So beschloss ich, die insgesamt dreijährige NLP-Ausbildung zu machen und Coach zu werden.

In der Ausbildung bei einer der zahlreichen Coachingübungen kam ich zu der tiefen Erkenntnis, dass ich geführt werde. Dass ich schon mein ganzes Leben lang geführt wurde. All die Begegnungen zur richtigen Zeit. Die richtigen Tipps, Erkenntnisse, Erfahrungen – es geht lediglich darum, sich auch führen zu lassen. Loszulassen. Zu vertrauen. Der inneren Stimme – der Herzensstimme – zuzuhören.

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Dein Wille geschehe. Ich kann und darf mich fallen lassen – eine größere Macht – größer und liebevoller, als wir es uns nur in Ansätzen vorstellen können, führt uns. Daran glaube ich.

Meine Erkenntnisse und Erfahrungen gebe ich nun als zertifizierter Coach, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Wingwave-Coach an meine Klientinnen weiter. Es sind hauptsächlich Mütter, die sich – so wie ich damals – irgendwo auf ihrem Weg verloren haben. Sie sind zum Beispiel krank geworden, weil ihr Job nicht ihren Werten entsprach. Sie möchten etwas Sinnstiftendes machen, etwas in die Welt bringen, was verändern oder einen Job finden, der sie wirklich erfüllt. Oberflächlich gesehen suchen sie eine neue berufliche Orientierung – aber eigentlich suchen sie sich selbst. Ich begleite und unterstütze sie dabei, ihre Lebensaufgabe zu finden und ihren beruflichen Herzensweg zu gehen. Wie eine mentale Hebamme oder wie es eine Klientin von mir einmal ausdrückte – eine Herzschrittmacherin. Das ist eine so erfüllende Tätigkeit! Ich tue nun wirklich das, was ich von Herzen liebe. Als Erfolgsteamleiterin nach Barbara Sher und auch als Gründungsmitglied von dem Netzwerk elterngarten begleite ich auch Gruppen dabei, ihre beruflichen Träume umzusetzen. Dabei trägt mich die Vision, dass Eltern, die das tun, was sie aus tiefstem Herzen lieben, auch strahlende, authentische Vorbilder für ihre Kinder und damit Botschafter für eine bessere Welt sind. Es ist jedes Mal so berührend, wenn eine Klientin den Schatz in sich selbst wiederentdeckt und von innen zu leuchten beginnt. Wenn sie ihrer inneren Stimme wieder zuhört und ihr folgt. Das ist meiner Ansicht nach richtig mutig!

 

Tu’ was du liebst

Lebst du ein Leben, das dich erfüllt? Oder läufst du im Hamsterrad und hast deine Träume begraben oder schlimmer noch – vergessen? Barbara Sher sagt, dass es nicht egoistisch sei, das zu tun, was wir lieben. Es sei vielmehr egoistisch, es nicht zu tun, weil wir dann der Welt unseren einzigartigen Beitrag vorenthalten und wir haben nicht das Recht, das zu tun. In diesem Sinne: Folge deinem Herzen und tu’, was du liebst!

 

„Deine innere Stimme zu hören ist eine Frage deiner Achtsamkeit, ihr auch zu folgen eine Frage deines Mutes!“ Gottfried Herrmann

Hast du auch eine Story, die es wert ist erzählt zu werden? 

Hast du etwas richtig tolles erlebt, etwas was außerhalb deiner Komfortzone lag und das nicht 0815 Status Quo war? Willst du damit mal so richtig auf den Tisch hauen und allen Menschen zeigen, was eine Powerfrau in dir steckt?

Und vor allem andere Frauen damit inspirieren?

Oder aber du hast eine schwere Zeit durchlebt, hast alles überstanden und stehst jetzt mit erhobenem Kopf da. Willst du anderen Frauen zeigen, dass alles möglich ist, egal wie ausweglos eine Situation erscheinen mag?

Wir glauben: 

Every Woman has a Story. 

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