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Einmal Zahnarztgattin, immer Zahnarztgattin?

Einmal Zahnarztgattin, immer Zahnarztgattin?

Laura Rauschnick
zahnarztfrau - the bold woman

Wer mehr arbeitet, wird wohl auch mehr verdienen! Ich finde, das klingt nach einer logischen und fairen Gleichung, sagt Laura Rauschnick, Projektleiterin vom DGB Projekt “Was verdient die Frau”.
Irgendetwas in mir sagt aber: ‚Da stimmt was nicht!‘, denn wie kann es sein, dass Mütter durchschnittlich 14,5 Stunden, Frauen in ihrem Leben aber durchschnittlich 50 Prozent weniger Einkommen ansammeln als Männer? Irgendetwas läuft da doch mächtig schief!?!

Schief läuft offensichtlich, dass Frauen den Großteil ihrer Arbeit unbezahlt erbringen. Denn Frauen leisten zum Beispiel 34 Jahren täglich etwa doppelt. Diese wiederum arbeiten pro Woche acht Stunden mehr bezahlt – also einen ganzen Tag. Während Hälfte aller Frauen in Teilzeit. Der häufigste Grund für die Frauen: Vereinbarkeit, also Kinderbetreuung.

Und das hat natürlich Folgen. Zwei Drittel der erwerbstätigen Frauen verdienen nicht genug, um ihre eigene Existenz langfristig zu sichern. Sie bekommen durchschnittlich 53 Prozent weniger Rente als Männer, das bedeutet konkret: Frauen erhalten durchschnittlich 814 €. Die Folge: Frauen sind oftmals wirtschaftlich abhängig und Altersarmut droht.

Aber ist doch alles kein Problem! Wir sind ja verheiratet!

Tja, was soll ich sagen, das ist leider ein Trugschluss, denn: Ein Mann ist keine Altersvorsorge. Gerade seit 2008 hat sich das Unterhaltsrecht so verändert, dass die Befristung und Begrenzung von Zahlungen gestärkt wurde. So kommentierte die damalige Justizministerin Brigitte Zypries die Gesetzesänderung so: „Einmal Zahnarztgattin, immer Zahnarztgattin – das gilt nicht mehr.“

Warum sollten wir Frauen uns also dringend mit unseren Finanzen auseinandersetzen?

Auch wenn es am Anfang einer Ehe natürlich nicht der Plan ist, dass es irgendwann zur Scheidung kommt, sprechen die Zahlen für sich. 39 Prozent der vor 25 Jahren geschlossenen Ehen wurden bisher geschieden..

Selbst wenn die Ehe dauerhaft hält, bleibt ein Risiko. Wird der oder die Partner*in arbeitslos, krank oder erwerbsunfähig, kann der Lebensunterhalt der ganzen Familie gefährdet sein. Außerdem beträgt die Witwenrente kaum mehr als die Hälfte der gesetzlichen Rente des oder der Verstorbenen. Im Zweifel sogar nur ein Viertel. Wird neu geheiratet, sind die Ansprüche weg.

Lasst es uns doch mal so sehen: Wenn wir uns ins Auto setzen und losfahren, rechnen wir nicht mit einem Unfall. Trotzdem legen wir selbstverständlich den Gurt an, zu unserem Schutz. Wenn wir eine Familie gründen, rechnen wir nicht damit, dass unsere Partnerschaft einmal in die Brüche gehen oder der oder die Partner*in vorzeitig versterben könnte. Dennoch sollten wir auf unsere eigene Existenzsicherung für unsere soziale Absicherung in der Zukunft achten.

Die Lösung: Partnerschaftlichkeit – denn am Ende profitieren beide

Mein Rat an euch lautet daher: Partnerschaftlichkeit – bei der Verteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit, als auch bei den Finanzen. Was bedeutet das? Die Idee von Partnerschaftlichkeit ist, das beide Partner*innen sich die bezahlte und unbezahlte Arbeit gerecht aufteilen.

Das kann bedeuten, dass beide in verkürzter Vollzeit, zum Beispiel 30 Stunden in der Woche erwerbstätig sind und sich dafür die Familienarbeit gerecht teilen. So ist die Gesamt-Erwerbsarbeitszeit ähnlich verteilt wie beim deutschen Durchschnittspaar (eine Person in Vollzeit und eine in Teilzeit) aber beide Partner*innen profitieren davon. Denn beide haben die Möglichkeit eines existenzsichernden Einkommens und Zeit für die Kinder. Jackpot also.

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Mein Tipp: Nicht nur kurzfristige Vorteile beachten, sondern langfristige Auswirkungen bedenken

Da Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer, scheint es für viele Paare nur logisch, dass die schlechter bezahlte Frau eher ihre Erwerbstätigkeit unterbricht oder in Teilzeit geht, als der besserverdienende Mann. Das ist allerdings nicht langfristig und nachhaltig gedacht. Denn die Konsequenz ist, dass Frauen schlechter für ihre eigene Existenzsicherung sorgen können und es weniger Sicherheit für die Familie bedeutet.

Denn auf zwei Beinen steht es sich sicherer als auf einem: Fällt bei einer traditionellen Rollenverteilung der oder die Hauptverdiener*in weg, steht die Familie schlechter da, als wenn beide Partner*innen gleichermaßen zum Familieneinkommen beitragen. Und es muss nicht eine Person die Last tragen, für das Familieneinkommen allein verantwortlich zu sein.

Ich habe aber keinen Bock auf Partnerschaftlichkeit!

Wollt ihr keine partnerschaftliche Arbeitsteilung, ist es sinnvoll zumindest die Finanzen partnerschaftlich zu planen, um wirtschaftliche Abhängigkeit und Altersarmut zu vermeiden. Das bedeutet, dass das Geld beider Partner*innen als Familieneinkommen gerecht geteilt wird und eine zusätzliche private Rentenversicherung für die Partner*in, die in Teilzeit arbeitet oder zu Hause bleibt, eingerichtet wird.

Aber auch dann: Bedenkt immer, welche Entscheidung im Leben welche Konsequenzen mit sich bringen kann und in welche wirtschaftliche Abhängigkeit ihr euch begeben wollt. Denn selbst mit einem finanziellen Ausgleich für die unbezahlte Sorgearbeit könnt ihr Nachteile haben, wenn ihr später nach einer langen Erwerbspause oder Teilzeit wieder im Job durchstarten wollt.

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