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Work-Life-Balance für Mütter: Warum sich der Job anpassen muss!

Work-Life-Balance für Mütter: Warum sich der Job anpassen muss!

Johanna von Wendt
Work-Life-Balance für Mütter

Fix the system and not the mothers!

Wie häufig hast du schon überlegt, ob du als Mutter deinem Job gerecht wirst? Ob du flexibel genug bist? Ob du die Erwartungen erfüllen kannst – die deines Arbeitgebers und deine eigenen? Ob du mithalten kannst mit deinen kinderlosen Kolleginnen und Kollegen? Ob deine Chefin oder dein Chef denken könnte, dass du deinen Job nicht gescheit erledigst, weil du zeitig gehen musst (um beispielsweise deine Kinder abzuholen)?

Seien wir doch mal ehrlich: Ich kenne einfach niemanden – zumindest keine Mutter – die sich diese Fragen nicht stellt. Work-Life-Balance ist ebenfalls für Mütter ein großes Thema! 

work life balance als thema

 

Das ganze Übel beginnt doch schon beim Wiedereinstieg mit Sorgen und Unsicherheiten: Wie kann ich meine Berufstätigkeit mit meiner Mutterrolle vereinbaren? Wo finde ich einen Arbeitgeber, der mich als Mutter in Teilzeit einstellen wird (äquivalent: kann ich die Bedingungen und Anforderungen meines früheren Arbeitsplatzes erfüllen)? Wie kann ich für meine Kinder da sein und dennoch flexibel und leistungsfähig in meinem Job sein?

Ich würde jetzt sagen: Da stinkt doch der Fisch vom Kopf!

Work-Life-Balance & die Anforderungen der Mutter

Was dabei passiert, ist folgende Denkweise und Erwartungshaltung zu normalisieren: Wie kann die Mutter sich dem Job anpassen? 

Und da möchte ich gerne einmal die kritische Rückfrage in den Raum (und an die Gesellschaft, die Politik, den Arbeitgebern) stellen: Wieso kann denn der Job nicht den Anforderungen und Bedingungen der Mutter angepasst werden? Wieso ist Work-Life-Balance in aller Munde, aber sobald ein Elternteil es einfordert, wird es zum Problem?

Ersteres ist bei dem Mangel an Fachkräften absolut nicht mehr zeitgemäß! Zeitgemäß wäre folgende Denkrichtung: Es gibt auf dem Arbeitsmarkt so unendlich viele gute Leute. Ja, einige dieser Leute bringen Restriktionen mit. Meine Lupe geht hier und heute auf Working Moms (naturgemäß, denn ich berate Mütter bei ihrem beruflichen Wiedereinstieg). Realistisch betrifft dies aber genauso alle anderen Personengruppen, die eingeschränkte Flexibilität mit sich bringen. 

Der Weg darf nicht sein, aus jeder Working Mom eine unzerstörbare Superfrau zu machen und das Bild zu fördern, dass Mütter doch alles hinkriegen und man ihnen doch bitte nur genug zutrauen sollte (übersetzt: Eine Mutter macht den Job genauso wie alle anderen auch). Es geht nicht nur darum, Müttern doch bitte eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Natürlich sollte man das! Aber wir müssen auch das Kind beim Namen nennen: Die meisten Eltern haben nun einmal einen Mangel an Flexibilität. Es gibt gewisse Restriktionen, die sich aus dem Familienleben ergeben und die gleichzeitig bedeuten, dass ein Elternteil anders zur Verfügung steht, als kinderlose Kolleginnen und Kollegen. 

Und jetzt? 

Sollten sie deswegen von bestimmten Jobs kategorisch ausgeschlossen werden?

 

Eltern bei der Arbeit (Quelle: Screenshot The Bold Woman)
Eltern bei der Arbeit (Quelle: Screenshot The Bold Woman)

Diskussionen werden lauter….

Besonders laut wurde diese Diskussion, als es bei der letzten Bundestagswahl um die Frage ging, ob Annalena Baerbock dem Job der Kanzlerin „trotz ihrer Mutterrolle“ gerecht werden könne. Und lassen wir den Aspekt der Gleichberechtigung und der Rolle des Vaters einmal außer Acht, denn Frau Baerbock hat ja auch einen Mann, der sich erklärterweise genauso um die gemeinsamen Kinder kümmern kann.

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Ungebetene Ratschläge

In dieser gesamten Diskussion wurde nicht ein einziges Mal hinterfragt, ob der Job im Kanzleramt denn überhaupt SO ausgeübt werden muss, wie es seit Jahrzehnten umgesetzt wird. Wäre es nicht sinnvoll, einmal zu überlegen, wo der Job flexibel gedacht werden kann, was delegiert werden und wo Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden kann, anstatt jegliche Aufopferung und Flexibilität von der Stelleninhaberin und vom Stelleninhaber zu erwarten? Und weiter gedacht: Wie viele Menschen werden dann tatsächlich im Vorfeld kategorisch ausgeschlossen, weil sie niemals diese überzogenen Anforderungen erfüllen könnten? Ein weiteres Beispiel war der Politiker Anton Hofreiter, der mit seinem Sohn auf dem Schoß an einer Sitzung teilnahm. Die Reaktionen im Netz und die Presseberichte zu dieser Aktion regten die Diskussionen erneut an.   

 

Impluse für deine Work-Life-Balance als Mutter

Ich plädiere ganz klar dafür, dass wir stärker darüber nachdenken sollten, wie Arbeitgeber flexibler werden können. Wie wir die Jobs den Müttern (und unendlich vielen anderen Personengruppen) anpassen, weil wir dadurch von Stärken, Kompetenzen, Qualifikationen und Motivation profitieren können. 

Was kannst du selbst als Mutter konkret tun, um deinem flexiblen Job ein Stück näher zu kommen? Hier kommen ein paar Impulse für dich, die dir dabei helfen können: 

 

  1. Stelle dir die Frage, ob dein Arbeitgeber sich auf dich einstellt oder umgekehrt? Und hier halte ich es wie in einer guten Ehe: Das Gleichgewicht, die Augenhöhe muss stimmen. Beide müssen Schritte aufeinander zu gehen. Musst die ganze Zeit DU flexibel sein, dich verrenken und stretchen, damit du irgendwie klar kommst? Oder hat dein Arbeitgeber dich auch schon einmal gefragt, wie der Job denn gestaltet sein muss, damit du deine Work-Life-Balance findest?
  2. Sei eigenverantwortlich! Sei der Wandel! Überlege dir selbst, an welchen Stellen dein Arbeitgeber und dein Job flexibler sein müssten, damit du Vereinbarkeit leben kannst. Damit du deiner Mutterrolle und deinem Job gerecht werden kannst, ohne dass der Burnout an der nächsten Straßenecke auf dich wartet. 
  3. Erarbeite einen Lösungsvorschlag. Erarbeite Argumente, die für deinen Vorschlag sprechen. Beziehe eventuelle Vorbehalte der Gegenseite direkt mit ein und entkräfte sie schon im Vorfeld durch gute Gegenargumente. 
  4. Bleibe selbstbewusst und stark! Und traue dich, diese Verhandlungen wirklich zu führen! Wenn dein Arbeitgeber sich auf keinerlei Gespräche einlässt: Ist es dann der Arbeitgeber, bei dem DU arbeiten möchtest? Eigenverantwortung bedeutet, klar und konsequent für seine eigenen Interessen einzustehen. Selbst zu entscheiden, anstatt entscheiden zu lassen. 

Wenn du weitere Impulse für deine Work-Life-Balance als Mutter suchst, findest du hier weitere Informationen: https://mumsinbusiness.de/

Was denkst du über das Thema Work-Life-Balance für Mütter? Teile mit uns in den Kommentaren deine Erfahrungen, Tipps und Bedenken!

Hier gibt es noch mehr zum Thema Vereinbarkeit und der Rubrik Working Moms. 

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