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Natascha, du hast das falsche Geschlecht für dieses Unternehmen

Natascha, du hast das falsche Geschlecht für dieses Unternehmen

Natascha, du hast das falsche Geschlecht für dieses Unternehmen The Bold Woman

Dieser Satz meines Chefs hat mich 2007 wie ein Donnerschlag getroffen. Er traf den Nagel auf den Kopf, denn er war hart, aber ehrlich.

Es waren die jährlichen Gespräche über Gehälter und Bonuszahlungen, als ich erfuhr, dass mein männlicher Kollege auf der gleichen Führungsposition fast den doppelten Jahresbonus bekam. Nur weil er ein Mann ist.

Bis dahin war ich der naiven Annahme gewesen, dass meine Leistung im Unternehmen auch finanziell entsprechend honoriert wird. Den gefühlten Schlag in die Magengrube spüre ich übrigens heute noch. Die ganzen Überstunden, der Einsatz, egal wann – und dann dieser Satz. Es hat Wochen gedauert, bis ich mich von dieser Aussage emotional erholt hatte. Die Enttäuschung war zu groß. Die Alternative damals wäre gewesen, den Job sofort zu kündigen und in ein neues Hamsterrad einzusteigen. Für mich keine Lösung. Die restlichen Rahmenbedingen in der Firma stimmten, ich hatte nette Kollegen und eine spannende Aufgabe, die mich forderte. Und ohne weitere, vermeintliche Sicherheit einfach hinwerfen war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich. Wir hatten gerade erst unser Haus und dies wollte abbezahlt werden.

Ich mag meinen Ex-Chef übrigens immer noch sehr und bin im Nachgang sehr dankbar, dass er es so deutlich ausgesprochen hat, was sonst nur verdeckt hinter den Türen der Konzernführung besprochen wurde. Sonst hätte ich noch länger die rosarote Brille aufgehabt und an Gleichbehandlung der Geschlechter geglaubt. Wenn es für dich seltsam klingt, dass ich meinem Chef diesen Satz verziehen habe, so ist der Grund ganz einfach. Ich mag lieber klare und direkte Ansagen, damit kann ich umgehen.

Zu guter Letzt hat er es auf andere Art und Weise wieder gut gemacht, denn nach meinen beiden Schwangerschaften konnte ich nach meinen Vorstellungen flexibel arbeiten, meine Führungsposition behalten und habe noch dazu gut verdient. Und bin zum Schluss mit einer guten Abfindung gegangen, obwohl ich die Entscheidung getroffen habe, zu gehen.

Und seinem ehrlichen Satz verdanke ich alles, was ich heute mache. Er hat dazu geführt, dass ich mich committet habe. Ich habe mir geschworen, einen Weg zu finden, um langfristig aus dem beruflichen Hamsterrad auszusteigen und Unternehmerin zu werden. Um zu zeigen, dass es auf die leichte, smarte und weibliche Art geht. Jahrelang habe ich in meinem Job um Dinge kämpfen müssen. Oft war ich Vorreiter für Neuerungen, um zum Beispiel Teilzeitarbeit zu etablieren oder Ausbildungsplätze zu schaffen. Es war eine echte Herausforderung in einem konservativen Unternehmen wie meiner ehemaligen Firma.

Heute habe ich keine Lust mehr, zu kämpfen, denn inzwischen weiß ich, es geht auch anders.

Frauen verdienen auch heute immer noch viel zu oft weniger als Männer auf vergleichbaren Positionen, auch in den Führungsetagen. Aber da bin ich raus. Ich verdiene mit Freude mehr Geld als viele meiner ehemaligen Kollegen. Und das, ohne mindestens 40 Stunden in einem Büro sein zu müssen.

Auch wenn ich noch bis Januar 2019 geblieben bin, so fing meine Reise als Unternehmerin 2007 an. Ich fing an, nach Alternativen zu suchen, was ich neben meinem Fulltimejob machen kann. Und stieß auf eine Modefirma namens Friendtex, die die Möglichkeit anbot, als Vertriebspartnerin schöne, dänische Mode zu handeln und sich gleichzeitig ein Team aufzubauen. Meine Liebe zur Mode und zum Styling bestand schon immer. Die Mode war für mich die Chance, endlich etwas Eigenes zu machen, ohne großes Risiko und dazu mit einem Produkt, das ich liebte.

Besonders liebe ich die Veranstaltung von Events. Irgendwann mit meiner Mode eine große Modenschau zu veranstalten, davon träumte ich vom ersten Tag an. Walt Disney, von dem ich ein großer Fan bin, sagte einmal:

“Wenn du es träumen kannst, dann kannst du es auch tun”

Das habe ich getan. Anfang 2009 habe ich meine erste Modenschau vor ausverkauftem Haus moderiert. Mein Weg ins Unternehmertum begann also mit Mode. Dort habe ich mich lange nach Herzenslust ausgetobt. Aber es war nicht 100 % das, wofür ich meinen Job aufgeben wollte. Das suchte ich noch.

Gefunden habe ich es erst 2017 nach meinen beiden Schwangerschaften. Auf einmal war sie da, die zündende Idee, wie ich meinen wahren Traum nach zeitlicher und finanzieller Freiheit umsetze und ein Business flexibel und familienkompatibel gestalte. Ich hatte angefangen, zu bloggen und dabei die Möglichkeiten der Online-Welt für mich entdeckt. Und tat das, was ich am besten konnte. Mit Menschen sprechen und mein Netzwerk aufzubauen. Mit Freude und Wertschätzung. Und damit wuchs der Wunsch von Tag zu Tag, dies anderen Menschen zu zeigen, wie sie auch online smart netzwerken und damit ihre Kunden gewinnen. Denn ohne ein Netzwerk finden nur wenige Menschen dein grandioses Angebot und es kann gar nicht gekauft werden. So taufte ich meinen ersten Online-Kurs auf den Namen Netzwerkzauber, der Menschen dabei begleitet, sich ihr perfektes Businessnetzwerk aufzubauen.

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Nun bin ich endlich frei und kann absolut selbstbestimmt arbeiten. Und jederzeit für meine Familie da sein. 2007 nach dem Satz meines Chefs hatte ich den Traum, zu meinem Chef zu sagen, „Ihr könnt euch mich nicht mehr leisten“ und deshalb höre ich auf. Im Februar 2019 war es dann soweit und ich tat diesen langersehnten Schritt in die Vollselbstständigkeit.

Nach vielen Jahren in Anstellungsverhältnissen war der Schritt längst überfällig. Aber große Entscheidungen brauchen ihren Vorlauf. Auch wenn ich ein intuitiver Mensch bin, so überdenke ich Entscheidungen, bevor ich sie treffe. Ich habe lange gezielt darauf hingearbeitet. Viele konnten meine Entscheidung nicht verstehen, dass ich meinen, im Außen gut angesehenen Job einfach so an den Nagel hänge. Aber die Freiheit ist für mich unbezahlbar.

Das bedeutet für mich wahrer Erfolg.

Ist mein Schritt mutig?

Vielleicht, aber mein Motto ist eh „Ein eigener Weg ist nicht verrückt, aber mutig.“

Alles Liebe und viel Mut auf deinem Weg!

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