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Ruf der Wale und ein Hauch von Bullerbü

Ruf der Wale und ein Hauch von Bullerbü

Herma Stein
Auswandern - The Bold Woman

Langsam schob sich ein grauer Rücken aus dem Wasser und ein Gänsehautschauer über meinen Rücken – da ist er! Der Wal ruht an der Wasseroberfläche und schaut mir in die Augen. Mir laufen Tränen über die Wangen. Tränen der Rührung, der Liebe, der Verbundenheit. Ich spüre eine tiefe Botschaft in diesem Blick.

Mein Handy klingelt. Ich sitze in der Küche, wische mir die Tränen aus dem Gesicht, und muss mich erstmal wieder sortieren. Wie oft tauchte der Wal in mir auf und löste eine Flut an Gefühlen und inneren Bildern aus? Und nun?

Plötzlich dreieckige Rückenflossen! Langsam kamen sie in einer auf- und abtauchenden Bewegung auf das kleine Boot zu. Und dann befand ich mich mitten in einem Schauspiel. Mehr als 20 kleine und große Wale spielten um uns herum, berührten sanft das Boot. Ein Spaßvogel tauchte immer genau vor dem Bug kopfüber ins Wasser, winkte mit der Fluke, tauchte unter dem Boot durch und war wieder kopfüber winkend vor dem Bug.

Tränen der Rührung, der Liebe, der Verbundenheit rannen über mein Gesicht. Diesmal klingelte nicht das Handy. Diesmal saß ich nicht in meiner Küche. Diesmal saß ich in einem kleinen Boot auf dem Nordatlantik, 16 Kilometer vom Land entfernt. Diesmal war es Wirklichkeit.

Der Ruf der Wale

Wale haben mich schon immer fasziniert, Wale und Delfine. „Wie gerne würde ich ihnen mal ganz nah sein.” Dieser Gedanke war nicht nur ein Gedanke, er wurde immer mehr zum Gefühl, zur Emotion. Zur Vision. Es zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht und manchmal eben auch Tränen der Freude und Verbundenheit in die Augen, wenn ich mich auf diese inneren Bilder und Emotionen einließ.

Irgendwann tauchten die Orcas in mir auf; sie waren, im Rückblick gesehen, schon länger präsent, es war mir nur nicht bewusst.

Meine innere Verbindung zum Meer und seinen Bewohnern ist da, seit ich denken kann. Ich bin im Rheinland aufgewachsen, doch es war einfach nicht mein Zuhause. In den ersten Lebensjahren verbrachte ich jeden Sommer auf der Nordseeinsel Borkum. Später zog es mich mindestens einmal im Jahr an die Nordsee, sonst fehlte etwas. Am Meer zu leben oder auf einer Insel, das muss doch herrlich sein!

Zum Ende des Studiums begann ich mit dem Segeln, lernte so die Ostsee von der Wasserseite und nach der Wende Mecklenburg und meinen ersten Mann kennen. 1994 zogen wir vom Rheinland nach Mecklenburg, nur wenige Kilometer von der Ostsee entfernt. Die Sehnsucht nach noch mehr Nähe zum Meer blieb. Dass es auch die Sehnsucht nach der Energie und der Sprache der Nordsee war, wurde mir erst auf den Lofoten in Norwegen so richtig bewusst.

Als ich 44 Jahre alt war, wurde der innere Ruf immer lauter. Ich wollte, nein, ich „musste“ zu den Walen! Wie komme ich zu ihnen, ohne dafür ein Flugzeug nutzen zu müssen? Wo leben sie, vor allem die Orcas? Meine Recherchen führten mich nach Norwegen. Erinnerungen an eine vierwöchige Familienreise durch Norwegen mit 19 Jahren tauchten auf, ich hatte sogar noch die Fotos von damals. Und bääääm – da waren plötzlich viele Träume und Visionen in mir wieder präsent, vergraben seit über 20 Jahren in einer inneren Schublade: Lange Reisen, VW-Bus, Skandinavien, Bilder von Bullerbü und Pippi Langstrumpf, Auswandern, in der Natur sein, auf dem Land am Meer leben, Walen hautnah begegnen – es wirbelte in mir und mich durcheinander. Und nun?

Ich traute mich mehr und mehr, mein Herz für diese Träume und Visionen zu öffnen. Ein länderübergreifendes Projekt zwischen Mecklenburg und Südschweden für Unternehmerinnen kam zu mir. Erste Work-and-Travel-Reisen nach Schweden sowie „sitting“ eines Hauses, sogenanntes house-sitting, und der dazugehörigen bilingualen Katze gaben mir Einblicke, die ich als Urlauberin nie bekommen hätte.

Will ich wirklich auswandern? Und ist es wirklich Schweden? Seit Jahren breitete sich immer so ein wohliges Gefühl in mir aus, wenn ich bei den vielen Reisen nach Schweden in Trelleborg von der Fähre fuhr, es war jedes Mal wie ein nach Hausekommen.

Mit dem Blick hinter die Kulissen in Schweden stellte ich mir dennoch die Frage: Ist es wirklich Schweden? Ein paar Bullerbü-Pipi-Langstrumpf-Traumblasen zerplatzten nach und nach. Zumindest beruflich würde ich an Grenzen stoßen, wenn ich weiterhin mit Familien und Kindern entwicklungsbegleitend so wie bisher freiberuflich in einer eigener Praxis arbeiten möchte. Vielleicht mal was ganz anderes tun? Der Auswanderungsdrang nach Skandinavien blieb.

Einfach auswandern?!

Darf ich mir das erlauben? Was würden meine Söhne sagen, was weitere Familienmitglieder? Freunde? Würde mir eine mehrmonatige Reise durch Skandinavien mehr Klarheit bringen? Darf ich mir das erlauben? Würde ich das körperlich schaffen, nach allem, was gerade hinter mir lag? Wie kann sich das gestalten, organisieren, finanzieren? Ach wie schön sind Träume …

Bis mein jüngerer Sohn mir eines Tages DIE entscheidende Frage stellte:

“Mama, was hält dich davon ab, es einfach zu tun?

Es gab in mir keine Antwort darauf. Und dann gingen plötzlich erst mein Herz und dann Türen auf. Wohnung aufgelöst, Verbliebenes eingelagert, meine Söhne waren in ihrem eigenen Dasein, beruflich alles geparkt für vierzehn Wochen, eine Ferienwohnung als Übergang für den kommenden Winter in Deutschland gebucht.

Das Universum schickte mir einen Starttermin zu dieser Reise für Ende Mai. Ende März hatte ich immer noch kein passendes Fahrzeug.

Ein halbes Jahr nach dieser wertvollen Frage meines Sohnes fuhr ich tatsächlich Ende Mai in meinem eigenen, zum Wohnmobil gemütlich ausgebauten 6-Meter-Transporter in Trelleborg von der Fähre. Start zur dreimonatigen Schweden- und Norwegen-Tour, die zunächst zwei Hauptziele hatte: In Nordnorwegen Walen begegnen und hineinspüren, ob Auswandern tatsächlich immer noch ein Herzenswunsch ist und ob es Schweden oder Norwegen sein wird.

Ausgestattet mit Willenskraft, Mut, Neugier, Träumen, Visionen, Zielen und einer ungeahnten Portion „Überraschungen“ zogen mein Hund und ich ins Abenteuer. Das kraftvolle Gedicht „Jetzt“ von Goethe und eine Pippi-Langstrumpf-Postkarte waren ebenso meine Begleiter wie Freundinnen, die in Gedanken mitreisten und mir per Telefon und energetischer Unterstützung in einigen Situationen sehr geholfen haben.

Pippi Langstrumpf - The Bold Woman

Jetzt

In dem Augenblick,

in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch.

Alle möglichen Dinge,

die sonst nie geschehen wären, geschehen um einem zu helfen.

Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch diese Entscheidung

und sie sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen,

die sich kein Mensch vorher je erträumt haben könnte.

Was immer du kannst oder Dir vorstellst, dass Du es kannst,

beginne es.

Kühnheit trägt Genie, Macht und Magie in sich.

Beginne jetzt!


Johann Wolfgang von Goethe

Es wurde eine Pilgerreise der besonderen Art.

Mir ist so vieles begegnet im Innen und im Außen, dass dies ein ganzes Buch füllen wird. Der Wetterbericht meiner Seele hatte so viel Abwechslung zu bieten wie das Wetter im Außen. Stürmische Zeiten haben für mich ihren Reiz und ihre Geschenke genauso wie knallblauer Himmel und 30° im Schatten.

Die Natur und das Universum hatten sooo viele Geschenke für mich, kleine und große, mit und ohne Schleife, wundervolle Begegnungen mit Menschen und mit Tieren, magische Orte, Rettung in brenzligen Situationen.

Und tiefe Begegnungen mit mir selbst. Gesetzmäßigkeiten des Universums, über die ich so viel in Büchern gelesen hatte, erschlossen sich plötzlich mehr und mehr, rutschten vom Hirn ins Herz. Die größte Erkenntnis war, wie es sich anfühlt, etwas zu wollen und was es braucht, damit sich dies realisiert; und wie es ist, sich selbst auf die Schliche zu kommen, wenn es sich nicht realisiert. Manche nennen dies „Wünsche ans Universum“, ich nenne dies inzwischen „achtsame Lebensgestaltung“. Unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens beschenkt mich das Universum weiterhin mit Magie und mit Lernaufgaben.

Die gesamte Reise war ein einzigartiges grandioses Geschenk, vom ersten bis zum letzten Tag. Dennoch gab es Highlights, die mich bis heute nähren. Dazu gehört auch die unerwartete Begegnung mit Orcas auf den Lofoten vom Land aus.

Der Herzenswunsch, Walen ganz nah zu sein, hat sich erfüllt und daraus wurde die nächste Vision geboren: Auch Orcas hautnah zu begegnen, am besten vom Boot aus mit ihnen im Wasser. Ja, das ist tatsächlich möglich!

Die mitgereisten Fragen, ob ich wirklich auswandern will und wohin, hatten am Ende dieser ersten langen Reise auch Antworten: Ja, ich will. Nach Norwegen.

Freunde haben mir später erzählt, sie glaubten, ich würde schon bei dieser Reise in Skandinavien bleiben. Meine Jungs haben ähnlich reagiert, als ich nach der Rückkehr im Herbst die Entscheidung verkündete, in Norwegen leben zu wollen. Der eine sagte „war doch klar“ und der andere „wurde auch Zeit“. Die Frage „Darf ich mir das erlauben?“ war leiser und blasser geworden; der Ruf des Herzens lauter. Ein „ganz zurück nach Deutschland“ würde es immer geben können.

Wo bin ich Zuhause?

Die zweite Reise im Jahr darauf war eine Reise in ein Meer von Fragezeichen, inneren Bildern, Visionen. Wo ist mein neues Zuhause? Meine Seele hat das schon gewusst, mein Verstand nicht. Entsprechend verlief dann die Reise.

Diesmal war der Wagen vollgepackt mit Dingen, die ich dachte, in den ersten Monaten brauchen zu können. Winterkleidung, Bücher und sogar der Drucker waren gut verstaut, das spezielle Hundefutter für mehrere Monate und einiges mehr. Ziel? Ein konkretes Ziel gab es nicht.

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Nordnorwegen hat mir sehr gefallen. Das direkte Nebeneinander von Fjorden, Atlantik und hohen Bergen hat mir gutgetan. Wald hat gefehlt, und im Winter wäre es sehr lange mehr dunkel als hell. Das würde mir nicht bekommen. Also schaute ich mir den Süden an, immer an der Nordseeküste entlang. Ich hatte mir zwei Monate Reisezeit eingeräumt, dann musste sich etwas zum Arbeiten und Bleiben finden. Plan B gab es in mir nicht.

Je näher das Ende der selbst gesetzten zwei Monate rückte, desto unruhiger und unsicherer wurde ich; Ratlosigkeit und Verzweiflung machten es sich an manchen Tagen bei mir gemütlich. Die Idee, zunächst in einem Kindergarten zu arbeiten, hatte ich schon längst verworfen. Der Gedanke „Vielleicht doch mal was ganz anderes?“ lief in die Tourismusbranche. Campingplatz? So kam es dann tatsächlich. Aus ein paar Wochen dort für die restliche Saison als Volunteer mitzuarbeiten, wurde das Finden meines neuen Zuhauses. Der entscheidende Moment war an einem Tag im September, als ich auf einer Straße etwa zwei Kilometer von meinem jetzigen Wohnort entlang fuhr und plötzlich ein Gefühl in mir hochploppte und sich wohlig ausbreitete, das ich schon sehr lange – wenn überhaupt je so – nicht gespürt hatte: mein Zuhause-Gefühl! Ich ließ es durch jede meiner 50 Billionen Zellen strömen. Dann gingen wieder viele Türen auf.

Nach dem Umzug gingen erst einmal wieder Türen zu; meine für hier gedachten beruflichen Pläne haben wohl den lieben Gott zum Lachen gebracht. und er hat mich sanft aber mit Nachdruck dorthin geschoben, wo meine Mission, meine Lebensaufgabe ist: Menschen inspirieren und zu ihrem Potential begleiten. Um Träume und Visionen in sich zuzulassen und leben zu können. Und ganz besonders Kinder mit Herausforderungen, Kinder, die nicht in die „Norm“ passen. So wie früher in meiner physischen Praxis, nur jetzt ortsunabhängig online und auch dadurch viel intensiver.

Seit vier Jahren lebe ich einen Hauch von Bullerbü in meinem gemieteten fast 100 Jahre alten ortstypischen Haus. Im Sommer schwebt täglich ein Seeadler vorbei. Die Schweinswale sehe ich hin und wieder sogar vom Sofa aus.

Tief berührt bin ich von den Orcas. Normalerweise leben sie in Nordnorwegen. Aber was ist schon normal. Während ich vor vier Jahren direkt nach dem Umzug auf der Leiter zum Malern stand, war eine Gruppe von Orcas nur wenige Kilometer von hier im Fjord aufgetaucht. Das war eine Sensation in dieser Gegend! Im April 2020 und im März 2021 waren wieder Orcas hier in der Nähe, etwa eine Autostunde entfernt. Ob ich ihnen diesmal live begegnen darf?

Wale erinnern uns an die Urkraft in uns selbst

Orcas tragen die Farben schwarz und weiß

auftauchen – abtauchen
ja – nein
Yin – Yang
hell – dunkel
Tag – Nacht
Sonne – Mond
jung – alt
oben – unten
innen – außen
Oberfläche – Tiefgang

Sie tauchen auf, und sie tauchen ab. Dann sind sie eine Weile an der Oberfläche, bevor sie wieder in die Tiefe verschwinden. Und hier oft, um weite und unergründliche Wege zurücklegen.

Die meisten Menschen leben an der Oberfläche, ihrer eigenen Oberfläche, oberflächlich; immer beschäftigt, abgelenkt durch Handys, TV, Social Media, Freizeitstundenplan, echten und vermeintlichen Verpflichtungen, Denken in der Vergangenheit, Ängsten vor der Zukunft usw.; abgelenkt von der eigenen Tiefe, und mit Scheu vor dem Tiefgang, mit Angst im Jetzt, mit sich und in Stille zu Sein. Dabei ist Abtauchen so wichtig, ja fast schon essentiell in dieser lauten, oberflächlichen, gehetzten Welt.

R-Auszeiten sind dafür besonders gut geeignet, raus aus dem Alltag, raus aus gewohnter Umgebung, raus aus festgefahrenen Strukturen und Gedanken. Die Natur bietet sich uns an, lädt uns ein, uns dabei zu unterstützen, zu nähren, den Raum dafür zu nutzen. Das geht auch in der Stadt! Wer sich einlässt, wird faszinierende Entdeckungen machen. Innen wie Außen.

Die Magie des Lichtes und der Stille ist in Norwegen intensiv. Hier lässt es sich besonders gut abtauchen in die eigene Tiefe, beim Wandern in den Fjells und im Wald, beim einfach nur Herumsitzen am Fjord, in Momenten der Begegnung mit Seeadlern, Schweinswalen und anderen Tieren, am Lagerfeuer, beim Bogenschießen, um Ziele ins Visier zu nehmen, beim miteinander Sprechen und miteinander Schweigen.

Frauen, die nicht zu mir kommen können oder wollen, nehme ich im Coaching am Telefon mit in die Fjells, in den Wald oder an den Fjord. Die Energie der Natur hier kommt ein Stück weit mit hinüber und gibt Inspiration und Impulse für die kleinen R-Auszeit-Oasen vor der eigenen Haustüre.

Nimm dir Zeit für das Wichtigste in deinem Leben: für dich!

Hast du auch eine Story, die es wert ist erzählt zu werden? 

Hast du etwas richtig tolles erlebt, etwas was außerhalb deiner Komfortzone lag und das nicht 0815 Status Quo war? Willst du damit mal so richtig auf den Tisch hauen und allen Menschen zeigen, was eine Powerfrau in dir steckt?

Und vor allem andere Frauen damit inspirieren?

Oder aber du hast eine schwere Zeit durchlebt, hast alles überstanden und stehst jetzt mit erhobenem Kopf da. Willst du anderen Frauen zeigen, dass alles möglich ist, egal wie ausweglos eine Situation erscheinen mag?

Wir glauben: 

Every Woman has a Story. 

Lass uns deine hören:

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