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Es ist nie zu spät: Die Zeit zwischen 60 und 90 ist genauso lang wie die zwischen 30 und 60.

Es ist nie zu spät: Die Zeit zwischen 60 und 90 ist genauso lang wie die zwischen 30 und 60.

Monika Breitinger
Es ist nie zu spät The Bold Woman

Wie so oft schaute ich verloren aus dem Fenster. Stumm kullerten Tränen über mein Gesicht. Schon lange fragte ich mich, warum ich an diesem Punkt in meinem Leben angekommen war.

Voller Hoffnung und Glücksgefühle wagte ich einige Jahre zuvor nicht nur eine neue Beziehung einzugehen, sondern freute mich, ein gemeinsames Business aufzubauen. Dafür zog ich über 300 km weit weg und ließ alles zurück, was mir lieb und teuer war.

Ich war in einer vermeintlichen Sackgasse gelandet
Ich war total frustriert, denn nichts funktionierte, wie ich es gerne gehabt hätte, weder die Beziehung, noch die gemeinsame Selbstständigkeit und obendrein lebte ich an einem Ort, an dem ich mich nicht wohl fühlte. Und jetzt kam auch noch mein fortgeschrittenes Alter von 55 Jahren erschwerend dazu, was mich noch mehr lähmte, aktiv zu werden. Ich fühlte mich einsam, innerlich leer und hätte mich am liebsten in ein Erdloch verkrochen, denn ich wusste nicht, wie ich mich aus den Fesseln befreien konnte.

Niemand zeigt gerne, wenn er unglücklich ist
Und so versteckte ich mich hinter meinem Lachen, einem lockeren Spruch oder meiner Schlagfertigkeit. Niemand sollte erkennen, dass ich mich längst aus den Augen verloren hatte, dass ich wie eine Reisende zwischen den Welten hin und her schwankte und gar nicht wusste, wo ich anfangen konnte, was mich ausmachte und was eigentlich mein Ding war. Ich fühlte mich einfach schrecklich.

Mein Schmerz war riesengroß
So gab ich meinen Umständen die Schuld, meiner Beziehung, meinem Partner, der Selbstständigkeit, dem Ort, der Wohnung…einfach allem, was mich frustrierte. Wo sollte ich ansetzen? Der Berg schien riesengroß.

Ich vertraute mich niemandem an außer meinem nächtlichen Kopfkissen, wo ich manch bittere Träne vergoss und mir meine innere Stimme ins Ohr flüsterte: „Hey, wie lange willst du das noch mitmachen, wie lange soll das noch so gehen? Am Sterbebett ist es zu spät!“

Nichts konnte helfen
Auch die Bücher und Ratgeber, die ich las, konnten mir nicht mehr als ein Kopfnicken entlocken. Ich blieb da, wo ich war. Ein Wunder sollte mich von allem erlösen. Mich geborgen fühlen war Nummer eins und dass sich meine Gefühlswelt von außen energetisch wieder aufrichtete. Eine Lachnummer.

Absolute Ehrlichkeit
Doch tief in mir wusste ich, dass nur ich allein ändern konnte. Doch das wollte ich mir nicht eingestehen. Und so lieferte ich mir logische Argumente und Ausreden, die alles beim Alten ließen. Ängstlich klammerte ich mich an mein Alter. Und vor allem hatte ich die Horrorvorstellung, dass ich nicht mehr dazu gehören würde, mich nicht versorgen könnte und einsam zugrunde gehen würde. 

Der Startschuss
Die Kehrtwende kam, als mir das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky in die Hände fiel. Die drei magischen Fragen „Warum bist du hier?“, „Hast du Angst vor dem Tod?“ und vor allem „Führst du ein erfülltes Leben?“ ließen mich nicht mehr los. Rückblickend war das der Start in mein neues Leben. Angestoßen von den Inhalten und Seminaren wollte ich einige Baustellen aufräumen, auch wenn ich noch voll im Nebel stocherte.  

Eine Draufsicht auf mein Leben
Die erhoffte Anleitung für ein erfülltes Leben blieb aus. Vielmehr erhielt ich eine schonungslose Draufsicht auf mich, meine Werten und lernte mehr über mich, als mir lieb war. Und on Top bekam ich etwas Wunderbares geschenkt, nämlich meine Bestimmung, mein ‚Warum bin ich hier?‘ und die Einsicht, dass viel mehr in meinem Leben möglich war, wenn ich es zulassen würde.

Meine echte Entscheidung
Zuhause in meinem alten Energiefeld wusste ich, dass nur ich ändern konnte, wenn ich mehr Lebensfreude und Lebensqualität gewinnen wollte. Doch so schnell ging das nicht. Hin und her überlegend konnte ich keine echte Entscheidung treffen. Ich fühlte mich wieder zu alt und hatte solche Angst, dass sich mein Leben drastisch verschlechtern würde.

Ein unsichtbares Netz tat sich auf
Doch andererseits wurde mein Gefühl immer stärker, aus dem alten Trott auszusteigen. Als ich auf meine Spiegelbildfrage, ob ich mein Leben so weiter führen möchte, immer wieder ein Nein erhielt, entschied ich mich eines Tages für mich. Das Maß war voll und ich sagte ein klares Nein zu meinen Umständen. Und damit sagte ich ein Ja zu mir (wenn auch noch unbewusst).

Ich wusste, dass wenn ich jetzt nichts tue, es einfach zu spät ist, vor allem dann, wenn ich auf dem Sterbebett liege und nicht mehr in der Lage bin, aktiv zu werden. 

Meine Antwort auf mein Leben
Ich drückte den Resetknopf und schaltete auf Play um. Es bedeutete, dieses alte Leben zu verlassen, diese Beziehung aufzuheben, umzuziehen und mich nicht mehr weiter allem zu beugen.

Ich zog um in meine alte Wahlheimat ins Berchtesgadener Land. Dabei stieß ich auf Unverständnis im Außen und erhielt abwertende Kommentare. Auch wenn mich das sehr traf, blieb ich bei meiner Entscheidung. Ja, ich sprang und der vermeintliche Abgrund war letztlich keiner. Denn das Universum meinte es gut mit mir. Meine Wohnung wurde frei und darüber hinaus wurden Gelder fällig, die mir finanziell eine Zeit lang mein Überleben sicherten.

Freiheit pur – und was nun?
Endlich frische Luft schnappen, endlich frei sein, dachte ich und hatte vor, mich mit Menschen zu umgeben, die mir gut taten und darüber hinaus wollte ich ein Herzensbusiness aufbauen, was mir Freude machte und mich gut versorgte.

Subtiler Widerstand
Doch das gestaltete sich nicht so einfach wie erhofft. Denn viele Widerstände und irgendwie immer noch nicht zu wissen, was ich wirklich wollte, hielten mich zurück, aktiv zu werden. Viel lieber wollte ich wieder zurück ins Altvertraute und dachte immer öfter ans Aufgeben.

Ein folgenschwerer Entschluss
Ich holte mir Hilfe. Doch mein Ego spielte mir einen Streich. Ich brauchte doch niemanden, denn im Grunde wusste ich so viel und vor allem besser und hatte viele Ausbildungen durchlaufen.

Controlletti
Ich wollte alles im Griff haben. Doch das Einzige was ich im Griff hatte, war nichts im Griff zu haben. Vielmehr waren es meine Gedanken, mein Mindset, das dringend „überholt“ werden musste. So fing ich an, sukzessive meine Ängste zuzulassen und abzubauen, lernte, meinen Widerständen zu Leibe zu rücken und neue Sichtweisen zuzulassen. Kurzum, ich investierte in mich wie noch nie.

Trust the Process
Das Ändern ging weder von heute auf morgen noch „easy peasy“. Doch je mehr ich an und mit mir arbeitete, desto mehr passierte mit mir und um mich herum.

Meine festen Überzeugungen und Gewohnheiten, die ich nicht hinterfragte und die selbstverständlich meinen Alltag bestimmten, lösten sich langsam auf. Meine alten Sichtweisen verrutschten. Ich nahm mich wichtiger und lernte, Dinge zuzulassen, die ich mir vorher verwehrt hatte. Kurzum, ich lernte, mich mehr und mehr zu lieben. Ich hörte auf, alles immer mit mir allein auszumachen und begann, mich anderen anzuvertrauen.

Meine geschmackvollen Tauben
Ja, und nach wie vor fliegen mir keine gebratene Tauben in den Mund. Das hätte ich gerne. Es sind die Tauben, die ich mir selbst brate, wo ICH die Wahl habe, wie sie mir schmecken sollen. Und so kann ich heute anders mit den Herausforderungen umgehen.

Ich habe mittlerweile viel mehr Lust am aktiven Schaffen und kann gelassener mit Gegebenheiten umgehen. Allem voran habe ich nicht mehr so schnell das Gefühl, in einer Sackgasse gelandet zu sein. Das Gefühl, ein Versager zu sein, stellte sich immer sehr schnell ein. Dann war mein Selbstwert volle Breitseite getroffen. Umso froher bin ich, schneller aus den Selbstsabotage-Programmen auszusteigen.

Du wächst und wächst und wächst…
Ich bin mir sehr sicher, dass nicht nur ich, sondern auch meine Selbstständigkeit weiter wachsen wird. Mir wird zunehmend bewusster, welch wertvoller Beitrag ich gerade für Frauen ab der Lebensmitte sein kann, die in ihrem Trott feststecken. Ich weiß, wie es sich anfühlt, sich zurückzunehmen, nicht zu genügen und Angst vor der eigenen Größe zu haben.   

Aktives Tun
Wenn ich heute zurückschaue, dann staune ich im Nachhinein immer noch. Ich war bereits 58 Jahre, als ich die Reißleine zog. Und ich kann mich noch gut an den Satz meiner Steuerberaterin erinnern:
„Sie werden schon wissen, was sie tun.“
Die Botschaft war klar. Im Sinne von: ‚Wie hirnrissig ist das denn, sich in einem solchen Alter aufzumachen und dem Leben seinen Stempel aufzudrücken?‘

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Wenn nicht jetzt, wann dann?
Meine Zweifel waren sofort aktiv. Kann ich auf mich vertrauen? Mache ich das Richtige?
Im Nachhinein, und das ist jetzt gute zwei Jahre her, bin ich so froh, meiner inneren Stimme gefolgt zu sein. Heute ist wieder mal so ein Tag, wo ich alles in Frage stelle, was ich tue, was ich vorhabe, was ich sein lasse… Doch ganz tief in mir ist ein anderes Gefühl, nämlich, dass es das Beste war und ist, auf mich und meine Intuition zu vertrauen.

Alles ist möglich – auch für dich
Ich bin nicht erleuchtet und das Leben hat immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen parat. Doch ich habe gelernt, dranzubleiben und mehr an mich zu glauben. Und jetzt fühle ich gerade Stolz in mir. Stolz, den ersten Schritt gewagt zu haben jenseits aller Erwartungen und Konventionen.

Und so ist es allein meine Entscheidung, aufzugeben oder mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Und meine heutige Entscheidung zu mir ist unumstößlich: Ich kann das, ich mache das, ich schaffe das!

Es ist viel mehr möglich und vor allem nie zu spät, damit zu beginnen. Auch für dich.

Hast du auch eine Story, die es wert ist erzählt zu werden? 

Hast du etwas richtig tolles erlebt, etwas was außerhalb deiner Komfortzone lag und das nicht 0815 Status Quo war? Willst du damit mal so richtig auf den Tisch hauen und allen Menschen zeigen, was eine Powerfrau in dir steckt?

Und vor allem andere Frauen damit inspirieren?

Oder aber du hast eine schwere Zeit durchlebt, hast alles überstanden und stehst jetzt mit erhobenem Kopf da. Willst du anderen Frauen zeigen, dass alles möglich ist, egal wie ausweglos eine Situation erscheinen mag?

Wir glauben: 

Every Woman has a Story. 

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